DIE ZEIT

Fünf Jahre Ruhe

Die Tarifrunde 1979 wurde von der IG Metall mit einem Trommelwirbel eröffnet und nun – zumindest für ihren Bereich – mit einem Pianissimo beendet.

Giftige Milch

Milch ist – Fachleute und Umweltschützer wissen es längst – keine ungetrübte Quelle der Stärkung und Gesundheit. Ihr "Produzent" hängt nämlich am Ende jener Nahrungskette, auf der sich Giftstoffe über Luft, Boden, Gras bis zu gefährlichen Konzentrationen anreichern.

Eine deutsche Geschichtsstunde

Eine solche Woche hat es im bundesdeutschen Fernsehen noch nicht gegeben: vier Tage lang je zwei Stunden Holocaust plus mehr als eine Stunde Diskussion und dabei wachsende Einschaltquoten: 32, 36, 39, 41 Prozent; im Bereich einiger Sendestationen, beispielsweise in Berlin, waren es sogar 47 Prozent.

Römisches Karussell

Italiens vierzigste Nachkriegsregierung ist gescheitert, der Rücktritt des christdemokratischen Ministerpräsidenten Andreotti stand Mitte der Woche unmittelbar bevor.

SED-Moral

Die DDR-Presse veröffentlicht zur Zeit ausführliche Reportagen vom Jubel des "Kampucheanischen Volks", das den "Sieg über die Pol-Pot-Clique" feiert.

Zeitspiegel

Leonid Breschnjew und fünf andere Mitglieder des Politbüros müßten eigentlich bereits zurückgetreten sein – gemäß einer Regel, die alle Politiker mit dem 70.

Fällt Kohl, wächst Strauß eine Chance zu

Wie lange bleibt Helmut Kohl noch an der Spitze der CDU und der Unionsfraktion? Nur bis 1980, so lautet eine geläufige Antwort in Bonn, denn dann wird er Kanzler – Ratlosigkeit und Resignation treiben blanken Zynismus hervor.

Scheels Nachfolge: Ein bißchen Machtwechsel?

Wann immer in der Union von der Wahl des Bundespräsidenten die Rede ist, gehen die Wogen der Emotion hoch. Ob beim Bundesparteitag der CDU in Ludwigshafen, ob in der Haushaltsdebatte des Bundestags, ob am Wochenende auf dem kleinen Parteitag der rheinland-pfälzischen CDU – die Aussicht, das erste Amt im Staat zu besetzen, löste wahre Begeisterungsstürme aus.

Treueschwüre für Helmut Kohl in Mainz

Wie zum Beweis dafür, daß sich die CDU Illoyalität gegenüber Helmut Kohl in Rheinland-Pfalz weniger leisten könne als irgendwo sonst, fallen die Solidaritätsbekundungen des Kohl-Nachfolgers Bernhard Vogel besonders innig aus.

Deutsche Kulturtage: "Unsinn mit Tiefgang"

Die Genugtuung der deutschen Behörden ist verständlich, daß es nach einem Jahr dauernden, zermürbenden Gezerres um eine repräsentative Schaustellung (west)deutscher Kultur in Polens Hauptstadt Warschau nun wenigstens zehn "Theater- und Filmtage der Bundesrepublik Deutschland" gab.

Tumulte in Teheran: Wenn der Ajatollah kommt...

Zitat aus dem Leitartikel einer Teheraner Zeitung aus der letzten Woche: "Sollte irgend jemand in diesem Lande eine Ahnung haben, was hier eigentlich gespielt wird, dann möge er uns doch bitte anrufen.

Wolfgang Ebert: Angst vorm Fliegen

Erica Jong, die amerikanische Bestsellerautorin und Ajatollah Chomeini haben sicher nicht viel gemein – aber der Buchtitel "Angst vorm Fliegen" hat mich darauf gebracht, warum Chomeini so lange mit seiner Rückkehr nach Teheran zögert.

Zur Lage der Nation: Fundament für die Mitte

In der facettenreichen Persönlichkeit Jimmy Carters hat sich in der vergangenen Woche ein neuer Zug offenbart: Melancholie. Ton und Inhalt seiner Botschaft zur Lage der Nation bewog die meisten Kritiker denn auch, von einem Trauerspiel zu sprechen, einem schlecht inszenierten zumal.

Regierungskrise in Rom

In der vorigen Woche gab die kommunistische Parteiführung bekannt, daß sie ihre Unterstützung der christdemokratischen Regierung Andreotti zurückziehe.

Grenzen eines Traumes

Auch der amerikanische Traum hat seine sehr realen Grenzen. Das mußte kaum jemand schmerzhafter erfahren als Nelson Aldrich Rockefeller.

Korea-Gespräch

Plötzlich überschlagen sich im geteilten Korea die beiderseitigen Angebote zu Wiedervereinigungsgesprächen. Der südkoreanische Präsident Park Tschung Hi hatte mehrfach seine Bereitschaft signalisiert, den seit 1972 ruhenden Dialog "jederzeit, an jedem Ort und auf jeder Ebene" wieder aufzunehmen.

BONNER BÜHNE: "Wie der Herr Professor"

"Jeder Mensch hat seinen Vogel. Warum soll er sich nicht Kaiserliche Hoheit nennen lassen?" Süffisant schickte Helmut Schmidt diese Bemerkung voraus, bevor er im Parlament einige "erstaunliche Sätze" aus einem Aufsatz des deutsch-österreichisch-bayerischen Otto von Habsburg (in Österreich: Otto Habsburg) verlas.

Dietrich Strothmann:: Wie eine Schrift an der Wand

Erst wurden Juden aus dem öffentlichen Dienst gejagt, dann wurden ihre Geschäfte boykottiert, dann wurden sie außer Landes getrieben, dann wurden ihre Synagogen angezündet, dann erhielten sie in den "Nürnberger Gesetzen" das Zeichen ihrer "Minderwertigkeit", dann wurden sie zusammengetrieben und abtransportiert, dann mußten sie den gelben Stern tragen, dann schließlich wurden sie zu Millionen umgebracht.

Dieter E. Zimmer:: Tränen wurden nicht protokolliert

Als ich in den USA im vorigen Jahr eine Aufzeichnung von "Holocaust" sah, war mir sofort klar, daß der Film trotz seiner eindringlich-primitiven, emotionalen, melodramatischen Machart, ja gerade ihretwegen, auch in Deutschland seine Wirkung tun würde; daß er auch in Deutschland eine Zäsur im zeitgeschichtlichen Bewußtsein der Massen setzen würde, ähnlich wie in Nordamerika, wo bei vielen Gesprächen die Zeit geradezu in eine Vor- und eine Nach-"Holocaust"-Phase auseinanderzufallen schien.

Kurt Gerstein: Protokoll aus dem Vernichtungslager Belzec: Tot nach 32 Minuten

Zu den fürchterlichsten Dokumenten der Vernichtungs-Aktionen der SS zählt ein Gedächtnisprotokoll des Dr. Kurt Gerstein. Er war – als Anhänger der Bekennenden Kirche und leidenschaftlicher Feind der Rassenideologie der Nazis – in die SS eingetreten, um, wie kirchliche Würdenträger später bezeugten, "das Schlimmste zu verhüten".

Marlies Menge: Holocaust und die Reaktionen in Ostberlin: "Keine hohen Nazis in der DDR"

Die Reaktion auf Holocaust verlief in der anderen Hälfte der Nation, der DDR, weniger stürmisch und emotional als bei uns. Rund zwanzig DDR-Bürger meldeten sich per Telephon nach den Sendungen beim SFB in Westberlin – wenig im Vergleich zu den Zehntausenden von westdeutschen und Westberliner Anrufern (was aber auch daran liegen mag, daß es abends schwierig ist, vom östlichen in den westlichen Teil der Stadt zu telephonieren).

Berliner Wahlkampf: Nur mal telefoniert

Für den Wahlkampf in Berlin muß der Opposition ein Vorgang herhalten, der sich vor mehr als sechs Jahren abgespielt hat. Es geht darum, den Regierenden Bürgermeister Stobbe in solche Verfilzungsaffären zu ziehen, wie er sie gerade bekämpfen wollte.

Ermittlungen zum Tod eines Kindes: Quälendes Warten

Jetzt wird sich der hessische Kultusminister persönlich mit einem Fall beschäftigen müssen, von dem seine Sachbearbeiter offenbar meinten, man könne ihn mit der linken Hand und ein paar schnoddrigen Hinweisen auf ein Dutzend Erlasse abtun.

Kunst: Ärger über dicke Damen

Die Damen der Wiesbadener Handwerkskammer fühlten sich "verunglimpft". Schuld daran waren kleine Tonfiguren, die sich durch propere Rundungen auszeichnen: Die "Dickmadames" von Elisabeth Wade.

Umstrittene Fürsorge: Freund und Helfer?

Nordrhein-Westfalens Innenminister Burkhard Hirsch meinte vorige Woche, das sei "ein durchaus gangbarer Weg". Der Jugendausschuß des Rats der Stadt Köln strich – ebenfalls in der vorigen Woche – die Diskussion um die Verordnung Ki/SI – 2802/03 "vorerst" von der Tagesordnung.

Radikalen-Erlaß: Dämpfer für Klose

Hamburgs Senat traf am vergangenen Dienstag eine heftig umstrittene Entscheidung: Die Lehrer Peter Göhl und Alfred Dreckmann, Mitglieder und Funktionäre der DKP, bleiben Beamte auf Lebenszeit.

Fehlstart in die Zukunft

Mitte der sechziger Jahre zweifelte niemand in der Bundesrepublik daran, daß der Kernenergie die Zukunft gehört. Der damalige Forschungsminister Gerhard Stoltenberg war überzeugt, daß die Westdeutschen schon 1985 ihren Strombedarf zu vierzig Prozent aus der Kernkraft decken würden.

Sie können’s nicht lassen

Diesmal lieferte der Gesetzgeber die Begründung: Weil nun auch die Rücksitze Gurte haben müssen, weil neue Abgasvorschriften technische Veränderungen verlangen, werden Neuwagen eben teurer.

Quandt-Gruppe: Fürst ohne Krone

Herbert Quandt teilt sein Industrieimperium unter die Nachfahren auf. Schon zu seinen Lebzeiten will der Großindustrielle für einen geordneten Übergang sorgen, damit die Unternehmen seiner Gruppe nicht durch Streitigkeiten zwischen den Erben in Gefahr geraten.

Banken: Die Kunden erleichtert

Löhne und Gehälter werden heutzutage auf Girokonten überwiesen. Wer im Laufe des Monats weniger ausgibt, als er einnimmt, kann den Rest sparen.

BONNER KULISSE

Es klingt so schön, wenn gesagt wird, das Recht, die Ausgaben der Exekutive kritisch zu prüfen und die dafür erforderlichen Mittel zu genehmigen oder abzulehnen, sei das vornehmste Recht eines Parlaments.

AEG-Telefunken: AEG – Ausverkauf Einer Gesellschaft

Zu einem harten Dementi konnte sich der Vorstand des Frankfurter Elektrokonzerns AEG-Telefunken nicht durchringen: "In der Öffentlichkeit geäußerte Mutmaßungen über die Abgabe der Anteile von AEG-Telefunken an der Olympia Werke AG sind Spekulation", heißt es sibyllinisch in einer offiziellen Erklärung vom Montag dieser Woche.

Siemens: Schwarzer Freitag in München

Ein hochkarätiges Entwicklungsteam aus über hundert qualifizierten Ingenieuren und Technikern des deutschen Elektromultis Siemens empfand es als einen "Schwarzen Freitag": Der Leiter des Unternehmensbereichs Nachrichtentechnik, Dieter von Sanden, mußte ihnen vor knapp einer Woche in München mitteilen, daß sie zweieinhalb Jahre umsonst an einem Projekt gearbeitet haben, das nun von heute auf morgen gestoppt wird.

Der amerikanische Großverlag McGraw-Hill kämpft seit Wochen gegen die Übernahme durch den Kreditkartenkonzern American Express. Der Verlust der Selbständigkeit ist programmiert: Was kostet die Moral?

Man müßte ein Schauspiel darüber schreiben", sinniert ein Redakteur des amerikanischen Wirtschaftsmagazins Business Week. Er sitzt am Bartresen des "Londonderry Pub", wo viele für den New Yorker McGraw-Hill-Verlag arbeitende Wirtschaftsjournalisten ihr Mittagessen mit Wein oder Whisky herunterspülen und – nun schon drei Wochen – darüber diskutieren, welche Konsequenzen sich für sie ergeben, wenn ihr Brötchengeber von der American Express Company (Amexco) geschluckt werden sollte.

Börsen-Report: Im freien Fall

Selten ist ein Januar für den Rentenmarkt so enttäuschend zu Ende gegangen wie der dieses Jahres. Von einer verstärkten Anlagetätigkeit wegen der freigewordenen 50 Milliarden Mark aus Zins- und Tilgungszahlungen konnte diesmal keine Rede sein.

Israel: Trauer um den Schah

Aufruhr und Produktionsstopp auf den iranischen Ölfeldern kosten die Welt etwa neun Prozent der jährlichen Ölförderung, Israel aber sechzig Prozent seiner gesamten Energieversorgung.

Firmen und Fakten

Während die Hamburgischen Electricitäts-Werke AG (HEW) 1977 rund 500 Millionen kWh in das deutsche Verbundnetz geliefert haben, waren es 1978 nur noch 50 Millionen.

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