DIE ZEIT

Reden ist besser als rüsten

Zwischen Helmut Schmidt und Herbert Wehner ist ein offener Konflikt um die künftige Sicherheitspolitik entbrannt – ein aufregendes innenpolitisches Schauspiel mit tiefer außenpolitischer Bedeutung.

Tod für Bhutto?

Nach Afghanistan und Iran nun Pakistan? Gerät ganz Zentralasien auf die schiefe aBhn? Die Chinesen sprechen bereits von einem riesigen Vakuum, in dem sich die Sowjets nur zu gern festsetzen möchten.

Mattscheibe

Matt sind die Scheiben – hell die Köpfchen, die – fast – immer dahinterstecken; man weiß es ja: Unsere Fernsehgewaltigen sind die intellektuelle Elite der Nation, das Feuerwerk ihrer glanzvollen Einfälle und Produktionen blendet uns täglich von 16 bis 24 Uhr.

Wehret den "Rowdys"

Wenn an den Haustüren oder in den Wohnungen sowjetischer Bürgerrechtler Undefinierte und undefinierbare Gestalten auftauchen, sozusagen der personifizierte "Volkszorn" – wie jetzt bei Andrej Sacharow geschehen –, ist Angst angebracht, Sorge, mindestens Bangigkeit.

Kraftprobe im Iran

Die Hängepartie im Iran dauert an. Der Schah hat das Land verlassen, der unbeugsame Chomeini ist aus dem Exil zurückgekehrt, aber die Ungewißheit, ist geblieben.

Reformmodell der CDU: Im Schutzmantel der Selbstgewißheit

Für Überraschungen ist die Union immer gut, zumal in dem labilen Zustand, in den sie sich selber versetzt hat. Noch am letzten Wochenende hatten die Zeichen auf Sturm gestanden, wann immer von der Fraktionsreform die Rede war, mit der Helmut Kohl sich selbst und seine Parlamentsmannschaft wieder auf Vordermann bringen will.

Zeitspiegel

Seit dem Ausfall der iranischen Ölexporte (etwa sechs Millionen Faß am Tag) hat Saudi-Arabien die eigene Förderung um zusätzliche drei Millionen Faß pro Tag angehoben, um die iranischen Produktionsverluste auszugleichen.

Die Türkei steht vor dem Bankrott

Der Türkei geht es elend. Wer sich in diesem grauen anatolischen Winter auf den Straßen und Plätzen Ankaras umsieht, mit türkischen Politikern und Intellektuellen spricht und in Istanbul die Industriellen trifft, der braucht nicht noch die Worte der großen Vier von Guadeloupe, um überzeugt zu sein: Hilfe tut not.

Referendum in Rhodesien: Mehrheit für schwarze Macht

Ein scheinbar neuer Ian Smith hat sich in den letzten Wochen seinen weißen Landsleuten präsentiert. Fast leidenschaftlich wirbt der sonst so leidenschaftslose rhodesische Premier für etwas, was er im Grunde seines Herzens eigentlich verwünscht: die Herrschaft der schwarzen Mehrheit.

Algerien: Rückhalt durch die Armee

Der Präsident ist tot, es lebe der Präsident. Seit dem 7. Februar hat Algerien einen neuen Staatschef: Oberst Benjedid Chadli, nicht ganz 50 Jahre alt, bisher dienstältester und ranghöchster Offizier der Armee.

Deng Xiaoping begeistert Amerika: Kürlauf ohne Kotau

Amerika ist endlich wieder einmal mit sich selbst zufrieden. Der Mann, der das zuwege gebracht hat, bekommt zwar kaum die Füße auf den Boden, wenn er bei Tische sitzt, doch er ist ein mächtiger Mann – wie schon vor seinem Besuch bekannt war, und er ist ein äußerst kluger, tüchtiger und sehr beherrschten Mann – wie die Zeitungen des Landes jetzt nach seinem Besuch in hohen Tönen des Lobes schreiben.

Zahlen hinter dem Parteienstreit: Rechnereien mit Raketen

Seit einem Viertel Jahrhundert hat die Sowjetunion Westeuropa als Wertstück Amerikas in Übersee zur Geisel genommen – sowjetische Streitkräfte und Nuklearwaffen bedrohen die westeuropäischen Länder, unabhängig von der Wirkung der sowjetischen Rüstung auf Nordamerika.

Schwarzer Januar für die Labour-Partei

Die Streikwelle im öffentlichen Dienst und Gesundheitswesen, die Großbritannien seit mehr als sechs Wochen von einer Krise in die andere stürzt, hat jetzt auch die regierende Labour-Partei in ein Popularitätstief gerissen.

Italien: Kompromiß statt Konfrontation

Mit der Ruhe und dem risikobewußten Eifer eines Wundarztes versucht Giulio Andreotti seit Mitte dieser Woche die scheinbar tödlich verletzte Partnerschaft von Christdemokraten und Kommunisten Italiens wiederzubeleben.

BONNER BÜHNE: Figaro hier, Figaro dort

Gelindes Aufatmen in verschiedenen außenpolitischen Amtsstuben: Walter Scheel wird nicht nach China reisen. Zwar hätte sich der Bundespräsident gern auf den Weg gemacht, zwar wäre er in Peking hochwillkommen gewesen –, aber zu der langen Reihe der vom Regierungslager wie der Opposition unternommenen China-Wallfahrten nun noch ein Staatsbesuch, das hätte doch einige Probleme für die Bonner Balance zwischen Moskau und Peking geschaffen.

Jetzt einig

Unter dem politischen Druck der DDR spaltete sich 1969 die gesamtdeutsch organisierte Evangelische Kirche Deutschlands (EKD).

Die unheimlich bediente Gesellschaft

Womit hier gehandelt wird, verrät der Dienstleistungsjargon unserer Zeit. Experten und Manager lieben es, von Erziehungsprodukten, Gesundheitskonsumenten und von einer Rechtsindustrie zu sprechen: Leidenschaften und Gefühle weichen statistischen Ereignissen.

Beantwortung der Frage:: Was ist Aufklärung?

In seiner Streitschrift "Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?" (1784) formulierte Immanuel Kant einige gültige Voraussetzungen der funktionierenden, modernen Dienstleistungsgesellschaft – den Verzicht auf eigene politische Entscheidungen.

Diener machen lohnt sich immer

Dienstleistung – das ist der Name für den sogenannten "tertiären Sektor" der Volkswirtschaft: Handel, Verkehr, Kredit- und Versicherungswesen, Wohnungsvermietung, Staat, private Haushalte.

Helmut Schelsky:: Vier Gefahren

I. Die Zentralisten der großunternehmerischen Konzentration, der behördlichen Planungsbürokratien, die Anhänger von "Gesamt"-Institutionen wie Gesamtschulen und -Hochschulen, von Großverbänden und Großgewerkschaften ziehen natürlich an einem Strang: an der Vermehrung der individuellen Unselbständigkeit der Menschen, an der Verstärkung seiner Abhängigkeit als organisatorisch und sozial Betreuter, an der sogenannten "Rationalisierung" seiner Arbeit durch technische oder didaktische Normierung und an der Verschulung seines beruflichen Alltags.

Bayern: "Was denn, schon wieder Oetker?"

Demnächst", frozzeln die Nachbarn, "kommen die Busse. Dann werden Würstchenbuden aufgestellt, einer verkauft Faßbier, ein anderer Ansichtskarten mit Sondermarken.

Nordrhein-Westfalen: Abschied von Mutter Courage

Beinamen hatte sie viele – "Mutter Courage des Ruhrgebiets" oder "Fürstin von Oberhausen" –, aber keiner dieser mit Spott wie Respekt durchsetzten Titel traf es ganz: Luise Albertz, dienstälteste Oberbürgermeisterin der Bundesrepublik, vorige Woche im Alter von 77 Jahren gestorben, verkörperte einen ganz speziellen Typus sozialdemokratischer Politiker – nämlich jenen, der Politik noch als Berufung, nicht nur als Beruf, und die Partei als Bekenntnis, nicht allein als Sprungbrett zu rascher Karriere betrachtete.

Schleswig-Holstein: Kieler Pfennigfuchser

Eines muß man Karl Eduard Claussen lassen, er hat Mut zur Unpopularität. Karl Eduard Claussen ist Schleswig-Holsteins Sozialminister und, wie seine christdemokratischen Parteifreunde, gewiß lebhaft daran interessiert, die kommende Landtagswahl für die Stoltenberg-Mannschaft und sich zu gewinnen.

Selbstprüf ungen: Was es heißt, ein Jude zu sein

Kein Volk ist schwieriger zu begreifen als die Juden", hat Elias Canetti in seinem fundamentalen, ebenso berühmten wie ungelesenen Buch "Masse und Macht" schon vor zwanzig Jahren geschrieben.

Nationalsozialismus: Wer war mitschuldig?

Der Film "Holocaust" hat erneut die Fragen aufgeworfen: Wie konnte das geschehen? Wieso haben die Deutschen überhaupt Demokratie und Gewaltenteilung und andere die Menschenwürde schützenden Rechtsinstitutionen weggeworfen und alle Macht unwiderruflich auf die Führung einer Einheitspartei konzentriert? Das historische Material ist in umfassenden Darstellungen – allen voran der H.

Antwort auf Müller/Leenen: Kalte Arme und ein dürrer Busen

Das ist schon eine merkwürdige Methode, in der Einleitung des Aufsatzes von Müller/Leenen, den vermeintlichen Gegner erst einmal mit dem Holzhammer fertig zu machen, um davon abzulenken, daß die Thesen des angegriffenen Autors weniger in der Analyse als in den Schlußfolgerungen von denen der Verfasser abweichen.

"Warum die Deutschen sich nicht vermehren wollen" hieß das zweiteilige Dossier über deutsche Bevölkerungspolitik von Joachim Nawrocki. Zwei Mitarbeiter des Bundeskanzleramtes nahmen an seiner Analyse Anstoß. Ihre Frage: Liegt uns mehr am Wohl unserer Kinder oder mehr an ihrer Zahl?: Babys - der Rente wegen?

Es muß Verwirrung und Betroffenheit auslösen, wenn in einer nach ihrem Selbstverständnis liberalen und dem Menschenbild der Aufklärung verpflichteten Zeitung wie der ZEIT mit erschreckender Einseitigkeit ein Thema aufgegriffen wird, in dessen Verzeichnungen und Verdrehungen sich Nationalkonservative nun schon seit geraumer Zeit überbieten.

Die Versorger versorgen sich

Die Energiepolitiker der Bundesrepublik haben seit je zwei Seelen in ihrer Brust. Wettbewerb und Sicherung der Energieversorgung schließen einander nicht gerade aus, aber sie können zuweilen ganz schön kollidieren.

Dienstrecht: Unheilbar

Bundesverkehrsminister Kurt Gscheidle hat sich mal wieder über das seit vielen Jahren kritisierte Dienstrecht der Bundesbahn geäußert – wohlabgewogen, wie es seine Art ist.

IBM: Balance-Akt

Seit über einem Jahr erwartet, ist sie nun endlich angekündigt worden, die neue Computer-Serie des Marktgiganten IBM. Sie soll die überaus erfolgreiche "Familie" 370 bis Mitte der achtziger Jahre ablösen.

BONNER KULISSE

Bankiers mögen sie nicht – Gerüchte und Spekulationen über sich und ihre Banken. Als im November vergangenen Jahres erstmals über die Nachfolge von Bundesbankpräsident Otmar Emminger spekuliert wurde, ließ das den als Favoriten genannten Wilfried Guth von der Deutschen Bank zwar noch kalt.

Tarif politik: Propaganda

Es war vorauszusehen, daß die Ruhe an der Tariffront nicht lange halten würde. Kaum war die Tinte unter dem Tarifvertrag getrocknet, der die Verlängerung des Urlaubs für alle Metallarbeiter auf sechs Wochen festlegt, da meldete sich der IG-Metall-Vorsitzende Loderer zu Wort.

Bundespost: Die Bremser auf dem gelben Wagen

Die Fronten sind klar: Die Deutsche Bundespost gilt im Ministerium und bei ihren "Hoflieferanten" als "neuen technischen Lösungen gegenüber stets aufgeschlossen" (Post-Staatssekretär Dietrich Elias); wo jedoch der breit sprudelnde Geldquell des größten Investors der Bundesrepublik nicht fließt, ist das Urteil vernichtend: "Die technischen Planungen orientieren sich nicht nur an Marktgegebenheiten, sondern an zentralistischen, einheitstechnischen Lösungen, bürokratischen Zwängen und Absicherungen und auch an deutlich erkennbaren Eigeninteressen", meint Nixdorf-Vorstandsmitglied Helmut Rausch, und Wilhelm Hübner vom Verband der Postbenutzer argwöhnt: "Die Post blockt neue Entwicklungen immer so lange ab, wie es nur eben geht.

Horten: Vermieten statt verkaufen

Helmut Stubbe, Sprecher des Vorstandes des Edeka-Verbandes, gab Anfang Dezember letzten Jahres die künftige Marschroute für seine Einzelhandelsgruppe aus: Für die Behauptung und Stärkung der Marktposition der Edeka sei die "Förderung der Verkaufsflächenentwicklung" besonders wichtig.

Gespräche am Bankschalter: Der große Durst ist gelöscht

Der Index für Brauerei-Aktien war im vergangenen Jahr rückläufig. Eine Wende deutet sich auch jetzt noch nicht an. Banken empfehlen Brauerei-Aktien allenfalls zur "Depotbeimischung" – und dies weniger wegen des Getränkegeschäfts, sondern vielmehr wegen des oftmals vorhandenen wertvollen Grundbesitzes.

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