Der SPD-Spitzenkandidat Klaus von Dohnanyi wirbt um den parteilosen Bürger

Von Gunter Hofmann

Koblenz/Mainz, im Februar

Er müsse ihn doch einmal daran erinnern, tadelte Helmut Schmidt kürzlich im Kabinett den redelustigen Klaus von Dohnanyi welches Amt er in dieser Runde zu vertreten habe. Für den Geschmack des Kanzlers zu weitschweifend, hatte sich der Staatsminister des Auswärtigen wieder einmal in den Gärten fremder Ressortchefs getummelt; intellektuell wohl brillant, aber wie einer, der seine Talente gern genießt.

Wenn „der“ wegginge von Bonn, pries wenig später während der Wahlkampferöffnung der rheinland-pfälzischen SPD Helmut Schmidt den Spitzenkandidaten der dortigen Opposition, Klaus von Dohnanyi, „wär’ mir das nicht lieb, aber manchmal muß man sich von guten Leuten trennen“. Das Lob galt ausdrücklich dem Praktiker, der zehn Jahre Bonner Regierungserfahrung gesammelt habe, und der sich angenehm abhebe von den regierenden „Theoretikern in Mainz“.

Dohnanyi ist durch eine harte Politikerschule gegangen, und das Auf und Ab in seiner Karriere hat ihn verändert. Einst siedelte er ganz eng in der Nähe Willy Brandts; beim Kanzlerwechsel war er folglich eines der ersten Opfer. Helmut Schmidt verhalf ihm nach einer langen Pause zu einem halben Comeback, in die zweithöchste Etage des Auswärtigen Amtes, wo er in Koalitionsräson und Amtsdisziplin eingebunden ist. In der Pfälzer SPD, die alles Fremde und Neue für Teufelswerk hält, also alles verwirft, woran Dohnanyi hängt, wäre er fast untergegangen; als dreizehnter Kandidat auf der Liste hat er letzthin den Sprung in den Bundestag gerade noch einmal geschafft. Jetzt kann er hoffen, bei den Landtagswahlen am 18. März als sozialdemokratischer Spitzenkandidat der CDU wichtige Punkte zu nehmen und seiner Partei Auftrieb zu geben.

Ihrer absoluten Mehrheit kann sich die CDU Bernhard Vogels (1975: 53,9 Prozent; SPD: 38,5; FDP: 5,6) nicht mehr völlig sicher sein. Vorsichtshalber nennt Vogel seinen Rivalen einen „Durchreisenden“, der nicht Oppositionsführer bleiben wolle, wenn er verliere; noch lieber verschweigt er ihn. Denn Klaus von Doh-> nanyi macht es Bernhard Vogel nicht leicht. Die FDP, mit der Union im Helmut-Kohl-Land lange Jahre herzlich versippt und verschwägert, neigt jetzt dazu, im Ernstfall mit der SPD einen Pakt einzugehen.