Die deutsche Raumfahrt-Firma Otrag bereitet sich im afrikanischen Zaire auf große Schüsse vor

Von Heinz Delvendahl

Zwei Stunden nach dem Start in Lubumbashi taucht vor der Nase der Britten-Norman „Islander“ eine wildromantische Landschaft auf. Ein Fluß hat sich durch ein Felsmassiv gesägt. Links und rechts ragen Steilwände mehrere hundert Meter hoch. Unter der linken Tragfläche ist am Rande des Abhangs silbrig das filigrane Gerüst eines Startturms zu sehen.

Pilot Pierre Tobie zieht die achtsitzige Maschine in eine Linkskurve und setzt auf der „unzugänglichsten Landepiste der Welt“ auf, wie es in einem BBC-Fernsehfilm hieß. Wir sind auf „dem Plateau“, jenem umstrittenen, geheimnisumwitterten Raketenversuchsgelände der deutschen „Orbital Transport- und Raketen-Aktiengesellschaft“ (Otrag) im Südosten Zaires. Hierher kommt keiner, der nicht das Okay von Otrag-Chef Lutz Kayser persönlich hat.

8° Süd, 28° 30’ Ost – die geographische Koordinaten bezeichnen zugleich einen neuralgischen Punkt der deutschen Afrikapolitik. Denn wegen Otrag mußte sich die Bundesregierung bohrende Fragen und Vorwürfe einiger afrikanischer und kommunistischer Staaten gefallen lassen.

Tass, Neues Deutschland und andere Ostblockmedien griffen tief in die Verleumdungskiste und beschuldigten Otrag abwechselnd, Spionagegeschäfte zu betreiben oder nur eine Tarnfirma des Bundesnachrichtendienstes und westdeutscher Rüstungskonzerne zu sein, mit deren Hilfe der WEU-Vertrag unterlaufen werden solle, der der Bundesrepublik die Entwicklung und den Bau strategischer Raketen und Marschflugkörper verbietet.

Ein erstaunlicher Pachtvertrag