Kernkraftgegner künden Sternmarsch nach Hannover an

Von Kai Krüger

Bei Gorleben am niedersächsischen Zonenrand wird’s nun ernst. Zwölf Milliarden Mark sollen da verbaut werden – das größte Industriezentrum, das je in Europa auf einen Schlag geplant und aus dem Boden gestampft wurde: Unter Tage eine Art Salzbergwerk zur Einlagerung des Strahlenmülls aus unseren Atommeilern, obendrüber bis zu 60 Meter hohe Betonbunker mit meterdicken Wänden, in denen die Atomspreu vom Weizen getrennt wird – Lagerbecken für 3000 Tonnen abgebrannter Brennstäbe, deren Inhalt nach und nach in Salpetersäure aufgelöst und In Müll für unten sowie noch brauchbares Uran und Plutonium für die angegliederte Brennelement-Fabrik zerlegt wird.

Mit 20 bis 30 Flachbohrungen beginnen noch vor dem Sommer die Baugrund-Untersuchungen. Man will wissen, wo der Boden die Bunker am besten trägt – wenn überhaupt. Schon in wenigen Wochen werden über 100 Bohrungen zur Untersuchung der Grundwasserströme folgen. Um die Gefahr von Wassereinbrüchen ins Salzlager so gering wie möglich zu halten, will man die Schächte nicht gerade durch eine ’kräftige Wasserader hindurch abtäufen.

Und rüsten zur Schlacht

Nicht viel später schließlich wird dann mit den drei bis sieben Tiefbohrungen in die Flanken des Salzstocks begonnen, die überhaupt erst die Bestätigung erbringen können, ob, der Salzstock von Gorleben sich als Atommüllager eignet. Nun sind freilich auch die .Tiefbohrungen nur bedingt aussagefähig. Professor Heintz von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt, die im Auftrag der Bundesregierung den Untertageteil des Müllzentrums bauen wird: „Endgültiges wissen wir sowieso erst, wenn die Schächte abgetäuft und die Strecken aufgefahren sind, Mitte der achtziger Jahre.“ – Dann allerdings werden über Tage schon zwei bis drei Milliarden Mark verbaut sein. Kann man dann überhaupt noch zurück? Der Professor ist zuversichtlich: „Der Salzstock vor Gorleben ist so groß, da werden wir schon was für uns finden.“

Davon sind auch die Kernkraftgegner überzeugt – und rüsten zur Schlacht. Schon sieht sich die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg, die von kriegerischen Auseinandersetzungen nichts hält, unter Druck gesetzt: „Wenn ihr“, so bekommt sie aus dem ganzen Land zu hören, „nicht binnen vierzehn Tagen nach Bohrbeginn was unternehmt, dann kommen wir.“