Bei der Bestellung des Arbeitsdirektors haben die Gewerkschaften selten Erfolg

Von Erika Martens

Um Mitbestimmung geht es in beiden Fällen: In Karlsruhe verkündete das Bundesverfassungsgericht am Donnerstag dieser Woche sein Urteil zum Gesetz von 1976; in Genf tagten am selben Tag Aufsichtsratsmitglieder der Kölner Ford-Werke, um einen Ausweg aus dem Konflikt um den neuen Arbeitsdirektor des Unternehmens zu finden.

Beide Ereignisse werden das soziale Klima zwischen Arbeitnehmerschaft und Arbeitgebern in der Bundesrepublik für lange Zeit beeinflussen. Der Spruch der Richter in den roten Roben wird die soziale Großwetterlage bestimmen, der Ausgang des Vermittlungsversuchs in Genf eine wesentliche Rolle für das innerbetriebliche Klima bei dem Kölner Automobilkonzern spielen. Dort nämlich ziehen möglicherweise Gewitterwolken auf, wenn sich die Arbeitnehmerseite mit einem ungeliebten Arbeitsdirektor abfinden muß.

Kein Vertrauen

Die Hauptrolle in dem Kölner Drama spielt Hans-Joachim Lehmann, bisher stellvertretendes Vorstandsmitglied. Er soll nach dem Willen des Ford-Vorstands die Nachfolge des im Herbst 1978 verstorbenen Horst Bergemann übernehmen. Doch im Gegensatz zu Bergemann kann sich Lehmann nicht des Vertrauens der Belegschaft rühmen. „Sein bestes Ergebnis in den internen Arbeitnehmerberatungen endete mit einstimmiger Ablehnung bei einer Enthaltung“, berichtet ein hauptamtlicher Funktionär aus der Frankfurter IG-Metall-Zentrale. Im Betrieb gilt Lehmann als arrogant und kontaktunfähig: „Ein Buchhalter, der mit den Leuten nicht umgehen kann“, „ein Mann ohne Engagement für die Belange der Belegschaft“ – so lauten die vernichtenden Urteile.

In den Vorgesprächen mit der Anteilseignerseite signalisierten die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat denn auch, sie hätten grundsätzlich nichts gegen einen Kandidaten der Arbeitgeber für den Posten des für Personalangelegenheiten zuständigen Vorstandsmitglieds, im Mitbestimmungsgesetz „Arbeitsdirektor“ genannt. Sie selbst wollten keinen eigenen Vorschlag einbringen. Zu Lehmann allerdings müsse man gleich sagen, „jeden anderen, nur nicht den“. Ihre Frage, ob es in dem großen Haus denn keine personelle Alternative gäbe, blieb aber unbeantwortet.