Von Jos Schnurer

Ostbayern – da denkt man gleich an „Bayerischer Wald“, Nationalpark. Ein Gebiet dieser Region aber ist auch heute noch weitgehend unbekannt: die Oberpfalz oder Steinpfalz, wie sie von Einheimischen auch genannt wird, im nordöstlichen Zipfel Ostbayerns. Und da, im Stiftland, wo die Berge des Egerlandes, des Kaiserwaldes, des Fichtelgebirges, des Steinwaldes und des Böhmerwaldes ineinander übergehen, versteckt sich das einstmals hochgerühmte, heute fast vergessene – Waldsassen.

Goethe schrieb am 4. September 1786 während seiner Reise nach Italien, als er von Eger kommend, die böhmisch-bayerische Grenze überschritt: „In Bayern stößt einem sogleich das Stift Waldsassen entgegen – köstliche Besitztümer der geistlichen Herren, die früher als andere Menschen klug waren. Es liegt in einer Teller-, um nicht zu sagen, Kesseltiefe, in einem schönen Wiesengrunde, rings von fruchtbaren, sanften Anhöhen umgeben...“

Es wundert, weshalb dieses Fleckchen Erde bisher von Touristen unserer Tage kaum entdeckt worden ist. Liegt es an der Fremdenverkehrspolitik der bayerischen Landesregierung, die augenscheinlich die oberbayerischen Gebiete von der Infrastruktur her bevorzugt hat? Liegt es an der Tatsache, daß das Stiftland durch die politische Nachkriegssituation von ihrem traditionellen Hinterland, dem Sudetenland (Böhmen) abgeschnitten wurde? Liegt es gar an den Stiftländern, die, geprägt von Landschaft und Klima, innerhalb Bayerns als verschlossen gelten? An ihrem Dialekt, der von Nichteinheimischen nur unter größten Mühen verstanden wird?

Die Mundartdichterin Maria Schwägerl formuliert das so: „Unsa Sprach is halt a wöi’s Land und wöi d’Leit: grodó, owa herzli. An kräftinga Asspruch ham amal unsa Leit gern. Und des schad’t a nix, na woißt em glei, wöist dro bist.“

Vielleicht liegt es aber auch daran, daß du Stiftland als „Erdepfl-Landl“, als „Kartoffelpfalz“ verschrien ist, weil der karge Boden kaum, eine andere landwirtschaftliche Frucht hervorbringt. Der aus den großen Hungerjahren des Krieges zwischen Österreich und Preußen, von 1778 bis 1779 entstandene Spruch –

„Erdepfl in da Fröih, (am Morgen) mittwochs in da Bröih, (in der Suppe) af d’Nacht in da Heit, (mit der Haut) Erdepfl in Ewichkeit“ –