Nichts gelingt gegenwärtig dem amerikanischen Präsidenten. Jetzt ist er sogar auf einem Terrain gestrauchelt, auf dem er bisher so energisch und vergleichsweise erfolgreich operiert hatte: der nahöstlichen Friedenspolitik. Und es war nicht etwa Pech oder die Hinterlist seiner Partner, die ihn diesmal, den Führer einer Weltmacht, wie einen dummen Jungen dastehen lassen.

Israels Ministerpräsident Begin, der Carters Einladung zu einem neuen Gipfel in Camp David – diesmal freilich ohne den ägyptischen Präsidenten Sadat – mit der Rückendeckung seines Kabinetts zurückgewiesen hat, erteilte seinem wichtigsten Gönner eine herbe Lektion: So kann Amerika selbst mit einem von ihm nahezu völlig abhängigen Klienten nicht umspringen.

Nicht genug, daß Carter Begin zu Besuch gebeten hatte, ohne ihn vorher zu fragen; obendrein führte er die plumpe Absicht im Schilde, den israelischen Regierungschef in Gegenwart des entscheidungsunfähigen Kairoer Ministerpräsidenten Khalil gehörig unter Druck zu setzen. Dazu hätte er ihn klugerweise gleich allein, zu einem schonungslosen Vier-Augen-Gespräch auffordern sollen. Daß er es nachholte und Begin für Donnerstag nach Washington einlud, nimmt der früheren Brüskierung nicht die Schärfe.

Der dritte Akt von Camp David, bei dem die restlichen, noch umstrittenen „fünf Prozent“ des Vertragswerkes unter Dach und Fach gebracht werden sollten, muß also vertagt werden. Mag sein, daß Begin jetzt wieder als Störenfried an den Pranger gestellt und sogar im eigenen Lande gescholten wird. Dann gäbe er aber diesmal eher den Sündenbock für Carters selbstverschuldete diplomatische Blamage ab. D. St.