Charles Vanik, Kongreßabgeordneter aus dem US-Bundesstaat Ohio rekelte sich in einem der großen Ledersessel auf dem Podium des Saales und wandte sich Robert S. Strauss zu: Welche Konzessionen er „dem Fukada“ denn habe abringen können, wollte Vanik wissen. Aus dem texanischen Wortbrei, mit dem der US-Sonderbotschafter antwortete, konnte jedermann im Saale zumindest dies entnehmen, daß der Mann, von dem hier die Rede war, nicht „Fukada“ sondern Fukuda heißt – genauer gesagt: Takeo Fukuda, Japans damaliger Ministerpräsident. Sich den korrekten Namen einzuprägen, hielt Kongreßmann Vanik für unnötig. Er redete weiter unverdrossen von „dem Fukada“. Die Abfälligkeit, die darin lag, entging den anwesenden japanischen Journalisten keineswegs.

Diese Szene, die sich im vergangenen Herbst in Washington bei den Anhörungen des Kongreß-Unterausschusses für Handelsfragen abspielte, verdeutlicht, auf wie wenig Verständnis und Sympathie Nippon bei US-Politikern rechnen kann, wenn sich japanische und amerikanische Interessen kreuzen – wie es immer häufiger geschieht.

Konfliktstoff bietet vor allem der durchschlagende Erfolg japanischer Produkte auf dem US-Markt. Während die Amerikaner noch in den sechziger Jahren mehr nach Japan verkauften als sie von dort bezogen, drehten die Japaner Anfang der siebziger Jahre den Spieß langsam um und stechen jetzt so zu, daß es die Amerikaner schmerzt: 1976 waren die USA im Handelsaustausch mit Japan mit 5,3 Milliarden Dollar in den roten Zahlen, 1977 waren es schon 8,1 Milliarden und im vergangenen Jahr sogar zwölf Milliarden Dollar.

Washington reagierte mit politischem Druck. Auf der Gipfelkonferenz in Bonn verpflichteten sich die Asiaten denn auch brav dazu, 1979 ein Wirtschaftswachstum von sieben Prozent aus dem Ärmel zu schütteln, um damit einen Importsog auszulösen, der vor allem der amerikanischen Exportindustrie zugute kommen sollte. Gleichzeitig mußten die Japaner zusehen, wie der Yen-Kurs sich in kurzer Zeit so erhöhte, daß die japanischen Hersteller von Autos, Fernsehern und Stahlblechen ihren bisherigen Preisvorteil weitgehend einbüßten.

Darüber hinaus startete die japanische Regierung ein Sonderimport-Programm im Werte von vier Milliarden Dollar, um die Zahlungsbilanzkrise im Schnellverfahren zu entschärfen. Und schließlich lud Tokio eine große US-Wirtschaftsdelegation ein, die nach verstärkten Absatzmöglichkeiten für amerikanische Produkte Ausschau halten sollte.

Doch alles das half wenig, meinen jedenfalls die Amerikaner. Obwohl der US-Botschafter in Tokio, Mike Mansfield, wiederholt nach Washington berichtete, daß es den Japanern durchaus ernst damit sei, ihren Handelsbilanzüberschuß abzubauen, verfestigte sich in Washington der Eindruck, daß es Nippons Industrie darauf angelegt hätte, mit halbherzigen Maßnahmen für gut Wetter zu sorgen, um Zeit zu gewinnen. Während die Regierung in Tokio prognostiziert, daß sich die Lücke zwischen ihren US-Exporten und Importen von dort in diesem Jahr nur geringfügig auf dreizehn Milliarden Dollar verbreitern werde, fürchtet das US-Finanzministerium ein Rekord-Defizit von achtzehn Milliarden – entgegen dem allgemeinen Trend: Mit der übrigen Welt nämlich konnten die Amerikaner ihre Zahlungsbilanz verbessern.

Präsident Jimmy Carter schrieb daraufhin einen geharnischten Brief an Fukudas Nachfolger, Ministerpräsident Masayoshi Ohira. Darin soll Carter erklärt haben, das im Juni in Tokio geplante Gipfeltreffen der sieben größten kapitalistischen Industrienationen sei gefährdet – wegen des riesigen japanischen Handelsbilanzüberschusses.