Hervorragend

Ludwig van Beethoven: „Sinfonien Nr. 6/7“. Als im Januar 1978 die „Fünfte“ herauskam, bahnte sich eine Sensation an. Nach der Veröffentlichung der „Dritten“ letzten Sommer konnte man unentschieden sein, was bemerkenswerter sei – die Interpretation des Dirigenten oder die Perfektion des Orchesters. Jetzt wird der Zyklus fortgesetzt, er soll noch in diesem Jahr abgeschlossen sein. Dies ist inzwischen gewiß: Die Serie setzt ein Beethoven-Bild aus sehr verschieden gearteten Bausteinen zusammen. Oder: Jede Sinfonie ist vom interpretatorischen Duktus her so spezifisch und unvertauschbar angelegt, daß fast der Eindruck entstehen könnte, die verschiedenen Werke stammten von verschiedenen Komponisten. Eines vielleicht zieht sich durch alle bisherigen Aufnahmen: eine Sensibilität für „Stimmen“, für das Eigenleben und das Profil von Linien. Wie hier durch winzige Verschiebungen im Zeitmaß oder in der Dynamik motivische Gebilde modelliert werden, wie sich einzelnes vorschiebt und wieder zurückzieht eben als lebendiges Material, wie mit zügigem Tempo Dramatik, aber niemals Hektik erzeugt wird, wie durch ein Höchstmaß an instrumentaler Präzision die komplizierten Partien natürlich erscheinen, eben „gespielt“ – das verbannt gar manche unter den vorhandenen Beethoven-Platten in die Altmaterial-Container. Lorin Maazel, eine Zeitlang gelegentlich in der Gefahr, sich in Äußerlichkeiten zu verlieren, hat in diesen Beethoven-Einspielungen ein neues Maß dafür gesetzt, wie sich ein Dirigent in den Kompositionen auskennen und was er dem Hörer an Details vermitteln muß – und wie trotzdem die einzelnen Sätze wie die gesamte Sinfonie zu einem integralen Ganzen zusammengefügt und zusammengehalten werden. (Cleveland Orchestra, Leitung: Lorin Maazel; CBS 76 727/76 724) Heinz Josef Herbort

Hörenswert

Manfred Krug: „Da bist du ja“. Schlager? Aber ja – oder doch nicht? Besser? Nein, nur ein bißchen origineller. Ingfried Hoffmann, der Komponist, erlaubt sich allerlei Melodiewendungen, die Witz haben und kleine rhythmische und harmonische Frivolitäten nach sich ziehen; der Arrangeur Peter Herbolzheimer hat ihnen zwar keine einzigartige, aber eine leichte, recht farbige Fassung gegeben. Die Hauptperson endlich, Manfred Krug, ein Schauspieler und Unterhalter, bei vielen hierzulande schon vor seiner Wanderung von Berlin (Ost) nach Berlin (West) bekannt und gemocht, hat die Texte gemacht, Schlagertexte, die man nicht erst heftig analysieren muß, um herauszukriegen, daß sie Schlager sind, sentimental, simpel, auch mal leicht ironisch und lustig, zwar nie beleidigend primitiv, aber auch nicht so, daß man sie lange in seinem Gedächtnis aufheben möchte. Ihren Reiz gibt dieser Platte eigentlich vor allem der so gepflegt dilettantisch und dadurch ehrlich wirkende Sänger, der sich einmal von Caterina Valente, einmal von Joy Fleming hübsch unter die Arme greifen läßt. Man hört ihm ganz gern zu. In einem opulenten Heft zur Platte kann man allerlei über ihn lesen. (Intercord INT 160.12, MC INT 460.112) Manfred Sack

Brav

„Mozart für Kinder“. Metronomes Neuschöpfung eines Schallplatten-Bilderbuchs leidet an der Unbescheidenheit des Anspruchs. „Dem kleinen Musikfreund“ soll nicht nur klassische Musik nahegebracht werden, gleichzeitig will man auch „Lesefähigkeit, Sprachempfindung und Rechtschreibung schulen“. Soviel überspannter Bildungseifer verfehlt am Ende jedes Ziel. Mal hört sich der Text schulfunkhaft brav, mal bedeutungsschwer geschwollen an. Die parfümiert gezierten Illustrationen leisten nichts zur Information. Dem Klischee verhaftet bleiben auch weitgehend Interpretation von Werk und Leben des Künstlers. Erzähler Karlheinz Böhm beginnt sein Grußwort an die Kinder mit Hoffmannsthal: „Musik ist eine heilige Kunst.“ Verglichen mit den einfältigen Kinder-Klassiker-Serien der RCA und phonogram vermittelt diese Produktion indessen wenigstens Fakten, Daten und eine Fülle von Musikbeispielen. (metronome 0056.701) Ute Blaich