Rolf Andrees Böcklin-Monographie

Von Wieland Schmied

Eine Böcklin-Monographie war seit langem fällig und wurde dringend erwartet. Jahrelang war keine vernünftige Publikation über den Künstler verfügbar. Und jetzt hält er auf einmal Einzug ins Taschenbuch (Lutz Tittel: „Arnold Böcklin – Leben und Werk in Daten und Bildern“, Insel Taschenbuch), und ein ganzes Konvolut stattlicher Kataloge kommt auf unseren Tisch (nach dem Vorreiter aus Düsseldorf der voluminöse Band des Kunstmuseums Basel und die zweibändige Tour d’horizon der Darmstädter Mathildenhöhe).

Die 150. Wiederkehr von Böcklins Geburtstag, 1827, fiel mit seiner Wieder- und Neuentdeckung zusammen. Sein Werk, in gleicher Weise bestimmt von malerischer Kraft und gedanklicher Fülle, zuerst nicht erkannt, dann gerühmt bis zur breiten Popularität, bald nach dem Tode des Malers umstritten, schließlich verhöhnt und vergessen, beginnt das allgemeine Bewußtsein wieder unabweisbar Zu irritieren (das der Künstler – wenigstens bestimmter Künstler – hatte es nie losgelassen).

Erkennen wir in Böcklins Bildern, in denen die menschliche Existenz in der Gebrochenheit durch und in der Auflehnung gegen gesellschaftliche Zwänge erscheint, etwas von unserer Problematik? Gibt es Entsprechungen zwischen den Kostümierungen des späten 19. Jahrhunderts – auf die eine so prüde wie phantasiearme Bourgeoisie bedacht war – und unserer Erlebnisweise im ausgehenden 20. Jahrhundert? Gerade was uns lange am periphersten erschien, Böcklins Einkleidung seiner Erfahrungen in mythologisches Gewand und symbolhafte Formel, vermögen wir heute als Ausdruck und Abwehr jenes zeitgeschichtlichen Kontextes zu begreifen, von dem auch die Phänomene geprägt sind, die ihm zu widersprechen versuchten.

Verdrängung und Enthüllung

Es ist nicht zuletzt das zeitbedingte Moment an Böcklins Werk, das ihm heute Aktualität sichert. Hier müßte jede neue Diskussion ansetzen. Die Grundlage dazu liefert jetzt das kritische Werkverzeichnis, das Rolf Andree, Kustos am Düsseldorfer Kunstmarkt, vorlegt –