Von Irene Römer

Das attraktive junge Mädchen auf dem Plakat hat schlanke Beine. Mit beiden Händen trägt sie eine schwere Schreibmaschine; aber für sie scheint dieser Apparat so leicht wie ein Blatt Papier zu sein. Und das, obwohl sie nur auf einem Bein steht, gestützt von einem „Pfennig-Absatz-Fuß“. Trotzdem, ihr holdseliges Lächeln wirkt schwerelos. Welchem Hamburger ist dieses Plakat in den Wagen der U-Bahn nicht schon einmal aufgefallen. Es rangiert unter der Rubrik der „Stellenangebote“.

Wie sehen die Stellenangebote für Frauen aus? Was wird unsereins überhaupt geboten? Ich habe den Versuch gemacht, mir einen Überblick zu verschaffen, und die Wochenendzeitungen von Kiel bis München gekauft. Dabei stellte sich heraus, daß die Angebote überwiegend aus dem Dienstleistungsbereich kamen. Klar, wer sucht schon Wissenschaftlerinnen, Ingenieurinnen oder Pilotinnen?

Sekretärinnen sind – wie könnte es anders sein – am meisten gefragt. Und die Frauen werden in diesen vielseitigen Stellenanzeigen nicht nur als Menschen, sondern nicht selten auch als „Perlen“ apostrophiert. Ob echte oder falsche, das müssen dann, später die Besitzer dieser „Perlen“ herausbekommen.

In der Frankfurter Rundschau vom 3. 2. 1979 wird zum Beispiel eine „Perle gesucht... eine deutsche! Frau für den Geschäftshaushalt..., die putzt, bügelt usw.“. Was das „usw.“ wohl bedeuten mag? Und eine Perle – kann die putzen? Wie die Perle bezahlt wird, das stand auch nicht dabei. Und überhaupt: „Was bist du von Beruf?“ – „Eine Perle“ ...?

Aber nicht nur Perlen sind in dieser Rubrik gefragt. So schrieb die Berliner Morgenpost am 4. 2. 1979 in einer Eigenanzeige: „Junge Dachse‘ oder ‚alte Hasen’-– beide werden in vielen Berufen benötigt“. Nun, das sind meines Erachtens männliche Tiere – bei weiblichen kämen dann doch wohl nur „dumme Kühe“ in Frage.

Frauen sind nicht nur Dinge oder Tiere, sondern auch „Geister“ in Stellenangeboten. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 3. 2. 1979 wird ein „Guter Geist“ gerufen, der nicht älter als „40“ sein sollte. Ich dachte, Geister hätten kein Alter. Dieser „Geist“ nun möge bitte „zwei mutterlose Mädchen“ und natürlich deren Vater betreuen. Die Kinder können dann etwa in der Schule erzählen: „Unser Geist ist noch nicht zu Hause, wir unternehmen noch was!“ Oder: „Ein Geist paßt auf uns auf!“