Von Helmut Schödel

Der Lyriker Christoph Derschau will verreisen: „Ja, heute geht’s los, wenn / ich mich einem Adler gleich/ aufschwinge aus meinem brüchigen / Nest der Ängste Über die Metaphern seiner Prologe besteigt er seine Züge: .. und dann fährt er endlich los der Zug.“ Es ist (nach dem Titel des Gedichts) der Zug Saarbrücken–Stuttgart am 29. 8. 1975. Doch alle Züge Derschaus fahren anders als unsere fahrplanmäßigen Züge: Sie fahren (manchmal über Stuttgart, manchmal über Frankfurt oder Göttingen) immer nur zu ihm selbst. So werden die Berichte über seine Reisen „Reiseberichte ins Nichts (s)einer Seele“.

Der Filmemacher Werner Herzog will verreisen: „Ein einziger, alles beherrschender Gedanke: weg von hier! Die Menschen machen mir Angst.“ So heißt es zu Beginn von Herzogs Notizen über eine Reise zu Fuß von München nach Paris in seinem Buch „Vom Gehen im Eis“ (ZEIT vom 1. Dezember 1978). Herzogs Reise-Ritual ist wie Derschaus Gedankenreise der Versuch einer Grenzüberschreitung: In Paris ist im November 1974 Lotte Eisner schwer erkrankt. Herzog will sie, reisend, retten.

Der Reiseschriftsteller Horst Krüger will verreisen: „Manchmal dieser Wunsch: weg! Aufbruchsphantasien, Wochenendhoffnung, Feriengefühle. Wohin? Du mußt einfach jetzt für ein paar Tage weg. Ach, Frankfurt am Main: Ich habe es satt. Ich bin es leid.“ Horst Krüger bricht

Horst Krüger: „Poetische Erdkunde“, Reise-Erzählungen; Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg, 1978; 312 S., 24,– DM

„Das Insel-Buch vom Reisen“, herausgegeben von Hans Bender; Insel Verlag, Frankfurt, 1978; 293 S., 22,– DM

„Hier lebe ich – Landschaften und Orte, gesehen von deutschen Schriftstellern“, herausgegeben von Bartel F. Sinhuber; Rosenheimer Verlag, Rosenheim, 1978; 311 S., 29,80 DM