Abenteuer in Thailands Bergdschungeln

Von Jürgen Dauth

In Tha Ton endet die Asphaltstraße, ein Katzensprung weiter nördlich auch Thailand selbst und ganz gewiß der Einfluß der thailändischen Behörden: „In den Bergdschungeln gibt es kein geschriebenes Gesetz mehr, die Grenzen zwischen Thailand und Burma ist nurmehr eine kartographische Zierde“, versichert mir Khon San, ein ehemaliger Offizier der königlich-thailändischen Grenzpolizei, der in Chiang Mai ein nichtregistriertes „Spezialunternehmen für Dschungeltrecking“ betreibt und offen zugibt, daß er seinen offiziellen Status auf Schmugglerpfaden verloren hat. Für 1600 Baht überantwortet er mich meinem Führer, der auf den unschönen Namen Pig hört, darunter jedoch nicht zu leiden scheint.

Pig, ein kleinwüchsiger Meo, umgeht geschickt den polizeilichen Registrierposten am Kok River, wo man nicht nur nach meinem Paß, sondern auch nach Khon Sans Lizenz gefragt hätte. Ein schweigsamer Bootsmann rudert uns durch lehmige Fluten unter schützendem Geäst aus der Gefahrenzone, bevor er seinen Außenborder anwirft und geübt durch die wilden Strudel steuert, die um versunkene Urwaldriesen quirlen. Gegen Mittag legen wir an einem glitschigen Steilufer an. Vor uns prangt eine 7-up-Reklame. Pig wirft einen Seitenblick auf mein verbiestertes Gesicht und versucht mich, den Abenteuersuchenden, zu besänftigen. „No English“, deutet er auf die Inhaber dieser Urwaldkneipe und glaubt, daß dies bereits Abenteuer genug sei.

Über verschlungene Wurzeln und gierig um sich greifende Windengewächse stolpern wir am späten Nachmittag einen Steilhang hinunter in eine Siedlung der Lahu. Pig zieht wie ein alter Bekannter durch die von Hühnern, Schweinchen und einer zwerghaften Rinderrasse beanspruchte Dorfstraße, die von bis zu 20 Metern langen Pfahlhäusern gesäumt wird. Gastgeber für die erste Nacht im Dschungel ist der Paw Khus, der Häuptling des Dorfes. Ob viele Touristen hierher kämen, frage ich ihn in verstümmeltem Englisch: „No much – five, seven, ten, twelve, twenty...“

Pig bereitet sein Standardmahl aus weißen Bohnen und norwegischen Sardinen, das wie die Taschenlampe, das Toilettenpapier, Insektenspray, Tee, Kaffee, Zucker und Leukoplast laut Aufstellung im Preis meiner Expedition inbegriffen ist.

Da der Paw Khus offensichtlich besser Englisch spricht als mein liebenswürdiger Führer, stimme ich meine Interessen mit ihm ab. Von einigen Dutzend Dorfbewohnern bezeugt, endet unsere Diskussion in einer Abmachung unter Männern mit herzhaftem Handschlag. Eine halbe Stunde traditionelle Tänze, dargeboten von drei Männern in Stammestracht (schwarze Pumphosen, bunte Gürtelschärpe, nackter Oberkörper, weißes Turbantuch) und drei Mädchen in schwarzem Wickelrock, roter Bluse und üppigem Silberschmuck. Für eine Extrazahlung würden sie auch die Bluse weglassen. Bangkok im Busch?