DIE ZEIT

Marx und der dialektische Rollentausch

Nichts ist so langlebig wie Ideologien. Bis sie sich in der Vorstellung ihrer Anhänger als Irrtum decouvrieren, sind sie in der Realität schon ungezählte Male ad absurdum geführt worden.

Politiker in der Richter-Robe

Bei Redaktionsschluß dieser Ausgabe der ZEIT fehlte noch die amtliche Bestätigung der Nachricht: Das Bundesverfassungsgericht werde die Mitbestimmungsklage der Arbeitgeber zwar abweisen, in den Gründen seines Urteils aber die von den Gewerkschaften erstrebte echte Parität zwischen Anteilseignern und Arbeitnehmern in den Aufsichtsräten der mitbestimmten Unternehmen für verfassungswidrig erklären.

Eine Weltmacht ohne Statur

Anderthalb Wochen nach dem chinesischen Einmarsch in Vietnam kann niemand mehr auf ein schnelles Ende der Kämpfe setzen. Eher fragt sich, ob die fortdauernde Begrenzung des Konflikts bloß eine vage Hoffnung ist, ob nicht das Risiko der Ausweitung mit jedem weiteren Tag zunimmt.

Rettung des Reviers

Der größte Ballungsraum der Bundesrepublik gilt nun auch offiziell als ein Problemgebiet. Eine Entwicklung, die lange Zeit von den Politikern übersehen oder verdrängt wurde, rückt damit endlich auf die Tagesordnung: der Niedergang des Ruhrgebietes, Nachdem die CDU Ende des vergangenen Jahres eine ständige Revier-Konferenz gründete, blies in der vergangenen Woche auch der nordrheinwestfälische Ministerpräsident zum Sammeln, Rau will im Mai in einer gemeinsamen Aktion mit Parteien, Gewerkschaften, Handelskammern und anderen Organisationen nach Rezepten für den kranken Mann an der Ruhr suchen.

Worte der Woche

„Ich halte die gegenwärtige Lage für günstig. Die Sowjetunion hat ein wachsendes Interesse daran, mit der Bundesrepublik zu vernünftigen Konditionen Politik zu machen.

Iran: Rückzug in die heilige Stadt

Kurz vor der Abreise in die heilige Stadt Ghom zeigte sich Ajatollah Chomeini noch einmal streng islamisch. Er erklärte, das vom Schah und seinem Parlament 1974 erlassene Familienschutzgesetz für nicht vereinbar mit den Prinzipien des islamischen Rechts (Shariat).

Zeitspiegel

In den Bericht über die Holocaust-Diskussion in Frankreich („Eine gemeinsame Lektion“, ZEIT Nr. 9) hat sich durch ein bedauerliches Versehen ein sinnentstellender Fehler eingeschlichen.

Alte Ängste, neue Kriege

Als Stalin und Mao Tse-Tung im Februar 1950 einen Freundschafts- und Beistandspakt schlossen, der dreißig Jahre dauern sollte, da beschlich die westliche Welt ein Gruseln: ein gewaltiger „monolithischer Block“ von damals 800 Millionen Menschen schien anzutreten, sich die ganze Welt zu unterwerfen.

Wahlkampf in Latschen

CDU-Kandidat Richard vonWeizsäcker glaubt an ein offenes Rennen, aber fürchtet die „Macht der Gewohnheit“

Ein Märtyrer?: Fiasko in Holland

Der Fernsehauftritt Helmut Kohls in den Niederlanden war ein beunruhigendes Politikum. Kohl ist einem Publikum begegnet, das ihn ungeniert mit Fragen traktierte, die in der Bundesrepublik tabuisiert sind: Berufsverbot, Nazi-Vergangenheit, atomarer Raketen-Ehrgeiz.

Naher Osten: Blamage für Carter

Nichts gelingt gegenwärtig dem amerikanischen Präsidenten. Jetzt ist er sogar auf einem Terrain gestrauchelt, auf dem er bisher so energisch und vergleichsweise erfolgreich operiert hatte: der nahöstlichen Friedenspolitik.

Großbritannien: Ende der Einheit?

Nach zweimaligem Anlauf hatte die Labour-Regierung im Juli 1978 die „verfassungsmäßig bedeutsamsten Gesetze dieses Jahrhunderts“ über die Dezentralisierung des Regierungssystems durch das Parlament gebracht.

BONNER BÜHNE: Metrisches Fußvolumen

Etwas unterhalb der Diskussionsebene im westlichen Bündnis über die neue Generation der Mittelstreckenraketen ist der NATO ein "richtungsweisendes" Abkommen geglückt.

Fettnäpfchen

Zur Zeit ist noch der tunesische Botschafter in Ost-Berlin Doyen des diplomatischen Korps, dem Dienstalter nach rangiert hinter ihm ein Finne.

Freispruch

Nach dem Urteil der VI. großen Strafkammer des Landgerichts Oldenburg hat sich eine Identifizierung der Angeklagten – zwölf von ihnen sind Hochschullehrer in Braunschweig, Hannover, Osnabrück und Oldenburg – mit dem nach Auffassung der Strafkammer strafbaren Inhalt des Göttinger Mescalero-Artikels nicht nachweisen lassen.

Uganda: Idi Amin in Nöten

Nachdem Bemühungen von Unterhändlern der Organisation Afrikanischer Einheit gescheitert waren, eine Feuereinstellung im tansanisch-ugandischen Grenzkrieg zu erreichen, ist zu Wochenbeginn eine Eliteeinheit der ugandischen Armee, das „Selbstmord-Regiment“, zur offenen Rebellion gegen Amin übergegangen und hat die Distrikthauptstadt Masaka, 150 Kilometer südlich Kampala, in seine Gewalt gebracht.

Kernkraftwerk wird gebaut

Das niedersächsische Soziilministerium hatte 1976 für den 1300-Megawatt-Druckwasserreaktor Grohnde die erste Teilerrichtungsgenehmigung erteilt.

„Holocaust“-Nachwirkungen: Bomben auf Auschwitz?

Die Aufnahmen sind messerscharf: Die vier Gaskammern sind zu erkennen, die dazugehörigen Krematorien. Ein Photo zeigt eine Schlange von 1500 Menschen, die von der „Rampe“, wo ein Zug mit 85 Güterwagen steht, zur „Desinfektion“ geführt werden.

Affäre Carstens: Der ungeliebte Bewerber

Nächsten Montag wählt die Union ihren Präsidentschaftskandidaten, aber noch wird um die Frage gerungen: welchen? Karl Carstens beharrt darauf, er könne die Entscheidung, für das Amt des Bundespräsidenten zu kandidieren, nicht vom Ausgang eines langwierigen Rechtsstreits abhängig machen.

Siedler siegten im Kampf um ihre Zechenhäuser: Zum Erfolg gehungert

Bereits geschriebene Nachrufe auf die „Rhein-Preußen“-Siedlung in Duisburg-Homberg müssen nicht gedruckt werden. Die Atmosphäre, die im Januar während der Zwangsversteigerung einer kompletten Straße vor dem Moerser Amtsgericht „an Friedhof und Beerdigung erinnerte“ (Neue Ruhr-Zeitung), hat sich zum Positiven gewendet.

Zeitliches aus München: Wind von rechts

In Bayern, wo der Himmel immer so schön weißblau ist, wo die Menschen fröhlich, fromm und arbeitsam sind und die Politiker schwarz, da ist die Welt noch in Ordnung.

Kooperation statt Klassenkampf

Während sich die deutsche Wirtschaft nun langsam von der konjunkturellen Talsohle entfernt, ist das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften immer noch auf einem Tiefpunkt.

Rationierung: Nur über den Preis lenken

Der Kanzler und der Bundeswirtschaftsminister haben sich, ohne aktuellen Anlaß, gegen Benzinrationierungen ausgesprochen. Haben sie damit schlafende Hunde geweckt? Wohl kaum.

Bundesbank: Die Reserven locken

Der Gedanke, die Währungsreserven der Bundesbank wenigstens teilweise in Rohstoffen anzulegen, ist ebenso unverwüstlich wie die Idee, eine Inflation mit staatlichem Preisstopp zu bekämpfen.

BONNER KULISSE

Schon immer hatten die führenden Vertreter der Banken ein feines Gespür für politische Macht. Ein Blick in die Tagesordnung des nächsten „Bankentages“, der alle fünf Jahre stattfindenden Mitgliederversammlung des Bundesverbandes deutscher Banken am 26.

Siemens: „Freudiger Donnerstag“

Die Entwicklung unseres elektronischen Wahlsystems wird im ganzen nicht gestoppt, sondern weitergeführt. Die für dieses System bisher aufgewendeten Forschungsmillionen sind deshalb auch nicht vergeudet, sondern wir bauen auf den bisherigen Ergebnissen weiter.

Frankreich: Barres bittere Pillen

Die Stadt Longwy kämpft ums Überleben – und zwar nicht nur mit Worten. Am Wochenende kam es in der lothringischen Gemeinde zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten.

Börsen-Report: Rückkehr zur Gelassenheit

Auch wenn in dieser Woche in den Börsensälen wegen der Faschingsveranstaltungen von einem regulären Geschäft kaum gesprochen werden konnte, wurde deutlich, daß die Verkaufsneigung auf Basis des in den letzten Wochen gesunkenen Kursniveaus gering ist.

Firmen und Fakten

Sie hat 1978 nicht nur ein befriedigendes Prämienwachstum erzielt, sondern auch ein zufriedenstellendes Ergebnis erwirtschaftet.

Welthandel: Die Last des Erfolgs

Charles Vanik, Kongreßabgeordneter aus dem US-Bundesstaat Ohio rekelte sich in einem der großen Ledersessel auf dem Podium des Saales und wandte sich Robert S.

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