Getreu der Faustregel: Je mehr Meer zu überfliegen ist, desto mehr ist zu verdienen“, widmen europäische Reiseveranstalter den Fernreisezielen zunehmende Beachtung. Auf diesem Touristiksektor ist noch ein stattlicher Umsatzzuwachs zu erwarten. Die geschäftlichen Hoffnungen richten sich dabei vor allem auf die Urlaubsregionen Karibik und Fernost. Die fernöstlichen Ferienplaner haben sich jetzt bei einem Seminar in Hongkong mit diesen Prognosen beschäftigt. Ihr Fazit: Es müssen zweistellige Milliardenbeträge investiert werden.

Während der nächsten fünf bis zehn Jahre werden sich die Besucherzahlen in Fernost verdoppeln, eventuell sogar verdreifachen. Zu diesem Schluß ist jetzt die „Pacific Aerea Travel Association“ (Pata) gekommen. Die größte Fremdenverkehrs-Vereinigung in diesem Teil der Welt, der nahezu alle fernöstlichen Länder über ihre mehr oder minder staatlichen Touristikorganisationen angehören, hat auf der Grundlage dieser Erwartungen den finanziellen Bedarf für touristische Investitionen während der nächsten Dekade errechnet: dreißig bis vierzig Milliarden Mark, teils aus öffentlichen Mitteln, teils aus privaten Kassen.

Dieser enorme Betrag wird vor allem in drei Bereichen angelegt werden müssen: für den Bau neuer Hotels und Ferienparks, für die Erweiterung und Modernisierung der Flughäfen in den Pata-Mitgliedsländern und schließlich für den Kauf neuer Flugzeuge. Ein Teil dieser Investitionen wird nicht nur den Touristen nützen; neue Hotels, Flughäfen und Jets kommen auch Geschäftsreisenden und der Infrastruktur des Wirtschaftsraumes zugute. Doch die Kapazität dieser Neuerungen muß sich an den erwarteten Touristenzahlen ausrichten.

Die fernöstlichen Geschäftsleute – so wurde auf dem Pata-Seminar in Hongkong deutlich – teilen den Optimismus der Urlaubsstrategen jedoch nur bedingt. Zwar sehen die Investoren durchaus die Wachstumsraten des Tourismus, aber sie verweisen auch auf die besonderen Risiken dieses Geschäftszweiges: Der Fremdenverkehr sei durch wirtschaftliche Einbrüche leichter zu „verwunden“ als die meisten anderen Industrien. Immerhin sieht die Pata einen gewissen Wandel im Verhalten der Geldgeber gegenüber der Touristikindustrie. Auf der letzten Finanzkonferenz der Organisation 1976 in Manila seien Expansionsvorstellungen bei den Investoren noch auf kühle Abneigung gestoßen, erklärte der für Entwicklungsfragen zuständige Pata-Vizepräsident Kenneth Chamberlain im „Asian Wall Street Journal“; jetzt, bei der Konferenz in Hongkong, seien die Geschäftspartner zwar nicht gerade begeistert auf die Pata-Vorstellungen eingegangen, aber schließlich habe sich doch eine Bereitschaft zu weiterführenden Gesprächen erkennen lassen.

Vor diesem Hintergrund gewinnen größere Tourismusprojekte besondere Signalwirkung und Bedeutung, wenn sie unter Beteiligung finanzstarker Investoren abgeschlossen werden. Das gilt beispielsweise für die New Yorker „Amherst-Gruppe“, einen Konzern mit sechzig multinationalen Gesellschaften in einer Vielzahl von Branchen. Das Unternehmen wird über eine Tochterfirma in Hongkong und gemeinsam mit der indonesischen Regierung in Nusa Dua auf Bali eine Hotelanlage der Luxuskategorie mit 450 Zimmern für zehn Millionen Mark errichten. Das Hotel soll 1981 eröffnet werden. Klaus Viedebantt