Karlsruhe

Mit einem Millionenversprechen und einem kuriosen Wunsch hat ein 89jähriger Karlsruher seine Stadt in Verlegenheit gebracht. Der alte Mann, der sich ausbedungen hat, anonym zu bleiben, versprach, der Stadt sein gesamtes Vermögen in Höhe von rund einer Million Mark zu vererben, wenn sie bereit sei, ihm einen Herzenswunsch zu erfüllen: Jenen Lausbuben ein Denkmal zu setzen, die – wie er in seiner Jugendzeit – eine natürliche Verrichtung gelegentlich dazu benutzen, einen sportlichen Wettstreit auszutragen: Wer nämlich seinen Strahl am höchsten und weitesten zu lenken imstande sei. Die Figuren, so sicherte er zu, wolle er selbst bezahlen, nur das Brunnenbecken und die Installationen sollten aus dem Stadtsäckel bestritten werden.

Gelockt durch die mögliche Erbschaft und gegen moralische Bedenken abgesichert durch Brüssels Männeken-Pis, wollte sich die Stadt dem Wunsch ihres Bürgers nicht verschließen und schrieb einen Wettbewerb aus. Als Siegerin qualifizierte sich die Karlsruher Bildhauerin Gudrun Schreiner, eine durch Skulpturen, Brunnen und Kirchentüren in der Region renommierte Künstlerin. Von den 120 000 Mark, die die sechs auf einem gebrechlichen Gerüst turnenden Figuren kosten sollen, zahlte der Stifter 80 000, den Rest wollte er nach der Fertigstellung entrichten.

Doch kaum standen die Figuren am vorgesehenen Platz, wollte der Stifter nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Er weigert sich nicht nur, die vereinbarte letzte Rate zu zahlen, er verlangt auch die bereits aufgebrachten 80 000 zurück. Grund: Die beiden Hauptfiguren hätten mit dem Entwurf der Künstlerin wenig und mit der Natur schon gar nichts zu tun.

Der Stifter mokierte sich nicht nur über den gesenkten Kopf und die gebeugte Haltung des einen der beiden „Wettkämpfer“, vor allem störte ihn die Fingerstellung. Dort, wo eigentlich das „Wettkampfinstrument“ sich hätte befinden sollen, sah er nur gefaltete Hände, ein Umstand, der ihm bereits. Schützenhilfe von mitfühlenden Leserinnen der Ortszeitung Badische Neueste Nachrichten einbrachte.

„Noch nie“, schrieb eine Mutter von zwei Söhnen, „habe ich einen Jungen mit gefalteten Händen pinkeln gesehen.“ Und eine andere Leserin trat dem Stifter mit der Feststellung zur Seite: „Was sich in dem Entwurf noch als keck pinkelnde Briganten darbot, geriet in der endgültigen Ausführung zu langweilig pinkelnden Putten.“

Ein gütliches Angebot des Stifters, die zwei Figuren neu zu konzipieren und dafür zwei Buben Modell stehen zu lassen, lehnte die Künstlerin unter Hinweis auf ihre künstlerische Freiheit verärgert ab. Selbst die Androhung eines Prozesses und die beigefügte detaillierte Aufstellung der Kosten, die sie im – vorausgesagten – Fall einer Niederlage treffen würden, veranlaßten sie nicht zum Einlenken.