Den Text zu diesem Polit-Comic für Kinder hat Victor Dancette während der deutschen Besetzung Frankreichs entworfen. Ausgeführt wurde er nach Kriegsende. Edmond Francois Calvo machte die Illustrationen. Text und Bilder dieser Geschichte des Zweiten Weltkrieges sind Spiegel großer politischer Naivität und einer Geschichtsbetrachtung, die patriotische Vereinfachung zum Prinzip macht. Sie verteufelt und verharmlost. Die Zeit zwischen 1933 und 1945, die Geschichte Hitlers und der Deutschen in ein phantastisches Bestiarium auf Comic-Ebene zu transponieren, hätte auch subtilerer Betrachtung mißlingen müssen. Im Vorwort des Comics von

Calvo und Dancette: „Die Bestie ist tot – Der Zweite Weltkrieg bei den Tieren“; Abi Melzer Verlag, Dreieich; 92 S., 19,80 DM

kritisiert Iring Fetcher, daß Dancette, ohne es zu ahnen, ein Herzstück der Nazi-Ideologie übernimmt „Macht und Stärke sind notwendig, um groß zu werden.“ Japaner werden zu „japsenden“ Affen, Franzosen sind friedfertige Hasen, Russen starke Bären, Engländer Bulldoggen und die Deutschen böse reißende Wölfe. „Barbaren sind Barbaren. Monster, Henker, Sadisten, Mörder. Das merkt euch. Bei denen werden die Kinder ohne Herz geboren. Der Sanftmütigste unter ihnen ist fähig, euch lächelnd den Bauch aufzuschlitzen.“ Es bedarf keiner besonders tiefsinnigen Betrachtung, um diese Botschaft an die Kinder, diesen Bildband (der ganz sicher ein zeitgeschichtlich interessantes und wichtiges Dokument für Erwachsene ist) als gefährlich versimpelte politische Lektüre anzusehen. So schreibt Iring Fetcher am Schluß seines Vorworts zu den fast hundert knallbunten Seiten dieses tierischen Thrillers: „Die Ironie der Trivialliteratur bringt es mit sich, daß sie im ehrlichen Kampf gegen das ‚Böse‘ blindlings dem Feind in die Arme läuft, den sie an der falschen Stelle gesucht hat: in den biologischen Konstanten fremder Nationalcharaktere.“

Ute Blaich