Von Marietta Riederer.

Die große italienische Messe für Herrenmode, „Pitti Uomo“, Sitz Florenz, ist international als „führend“ anerkannt. Aus der Bundesrepublik Deutschland waren über 500 Firmen mit zahlreichen Einkäufern erschien nen; sie stehen an erster Stelle, gefolgt von den USA, England und Japan, die sich die Waage halten. Alle waren gekommen, um für Herbst/Winter 1979/80 ihre Orders zu schreiben und sich genau zu informieren. Qualität und Luxus werden hier so selbstverständlich erwartet wie italienischer High-Chic.

Auffallend wie der Stempel, die sogenannte „Pranke“, ist der Versuch verschiedener großer Designer, den neuen Trend anzuführen und zu bestimmen, was bisher nur aus der Pariser Couture der Damenmode bekannt ist. So werden Kenner, die italienische Mode mögen, das Etikett eines Kleidungsstückes daraufhin prüfen, ob „styled by“ Armani, bei Correggiari, bei Palazzi, Piatelli, Testa, Valentino oder der Zegna-Gruppe vermerkt ist. Diese tonangebenden Designer haben Lizenzen vergeben an Hersteller von Herrenkonfektion, Regenmänteln, Hemden, Leder- oder Strickmoden, um den kompletten männlichen Anzug in den Griff zu bekommen.

Dominierend sind bei allen die „Imponierschultern“, deftig gepolstert, wattiert, zumindest drei Zentimeter hoch, unterlegt und verbreitert oder mit Profilfalten überdacht. So spricht man von der „T-Linie“ als Umriß mit sehr geringer Taillepbetonung; von der „V-Linie“, die für die langen’schmalen Revers steht und so den Blick auf Hemd, Krawatte, Weste oder Pulli lenkt. Drahtig-schlank macht das noch nebenbei.

Von den Hosen ist zu berichten, daß sie mäßig weit fallen und zwischen 23 und 25 Zentimeter breit auf dem Schuh aufsitzen, manchmal sogar etwas „schoppen“ (Korkenziehereffekt).

Als Kontrast zu prononzierten Schultern sind die Hemdkragen fast„zierlidi“ geworden: Comeback für Button-down-Kragen, für Polohemden aus melierten Garnen in dunklen Tönen und für weiße Hemden zum korrekten Anzug. Aufgerauhte Baumwolle oder Cotton mit Wölk und Seide gemischt aus Twill, schmal gestreift in Grau mit Curry, in Nuß mit Moosgrün, Lavendel zu Ockergelb, gehören zur sportlichen Kombinationsmode. Alle Hemden, auch die aus reiner Seide, sind wieder bequem und locker geschnitten, Die neuen Krawatten sind sieben Zentimeter breit; Derbys, gerade abgeschnitten, sechs Zentimeter und Strickkrawatten fünf Zentimeter breit. Alle werden mit straffen kleinen Knoten gebunden.

Neben den neuen Sakkos mit ihren langen Revers sind Blousons jeder Länge „in“: Aufgeplustert, die geräumigen Ärmel wattiert und in großen Rauten oder Rechtecken abgesteppt. Die müssen vor allem wuchtig wirken; sie müssen vor Kälte schützen, werden für „Nordländer“ bedeutend länger als für Italiener angeboten, sind aus Popeline mit Kamelhaar, mit geschorenem Kanin, mit Opossum, mit Chinchilla abgefüttert – und lassen sich „auch wenden“.