Das angeschlagene Düsseldorfer Bauunternehmen Beton- und Monierbau AG (BuM), das sich nur durch eine Staatsbürgschaft von 150 Millionen Mark über Wasser halten kann, hat bei der Suche nach einem neuen Aufsichtsratsvorsitzenden wenig Fortune. Auf den ehemaligen Verteidigungsminister Georg Leber (SPD) jedenfalls kann das Unternehmen nicht mehr bauen, denn der machte jetzt einen Rückzieher.

Leber hatte sich schon vor einiger Zeit bereit erklärt, in das BuM-Aufsichtsgremium einzutreten. Nach dem Tod des AR-Chefs Ernst Wolf Mommsen vor wenigen Wochen schien Leber, der vor seiner Ministerkarriere lange Jahre Chef der Bauarbeiter-Gewerkschaft war, dann der favorisierte Nachfolger Mommsens zu sein.

Daß Leber, dessen vielfältige Beziehungen für das zu sanierende Bauunternehmen Gold gewesen wären, nun abwinkte, soll seinen Grund in der SPD-Taktik zur Bundespräsidentenwahl haben. Angeblich hält sich Leber auf Wunsch der Partei als Kandidat hierfür bereit, falls der amtierende Walter Scheel nicht wieder antritt.

Noch bedrohlicher als vor einigen Wochen, als Kurzarbeit in großem Stil „vorsorglich“ angekündigt wurde, ist inzwischen die Absatzlage bei Grundig, dem Branchenführer für Unterhaltungselektronik.

„Die Situation hat sich nicht gebessert, im Gegenteil“, klagt ein Grundig-Mann. Trotz Einstellungsstopp seit November vergangenen Jahres und einem vorgezogenen einwöchigen Werksurlaub Anfang Januar produziert Grundig mehr, als die Verkaufsmanager absetzen können.

Um die Branchenhalde von jetzt schon eine Million Color-Fernsehapparaten bei Industrie und Handel und die derzeit unverkäuflichen Bestände an HiFi-Gerät nicht noch weiter wachsen zu lassen, zog das Grundig-Management die Notbremse: Von der Kurzarbeit sind nur zwei der insgesamt 22 Grundig-Inlandswerke mit zusammen 25 000 Beschäftigten nicht betroffen. „Vorsorgliche“ Massenentlassungen jedoch hat Grundig noch nicht ins Auge gefaßt, obwohl Aussicht auf Besserung frühestens in der zweiten Jahreshälfte besteht.