Von Hermann Bößenecker

Dieter Ebert, lange Jahre Messedirektor in Köln, jetzt mit dem Titel eines „Hauptgeschäftsführers“, mußte in den letzten Monaten viel Ärger hinunterschlucken. Ärger, den ihm sein alter Freund Werner Marzin bereitet hat, der Boß der Münchner Messe- und Ausstellungs-GmbH (MMG).

In geschicktem Zusammenspiel mit dem Sportartikelfachhandel überrumpelte Marzin im Herbst letzten Jahres seinen Kölner Konkurrenten Ebert mit der Ankündigung, daß München im Sommer 1979 als Pendant zur „Winter-Ispo“, der internationalen Sportartikelmesse, die soeben zum zehntenmal stattfand, eine „Sommer-Ispo“ etablieren werde.

Marzin brach damit einen Messekrieg vom Zaun, denn seit 1963 veranstalten die Kölner in jedem Herbst die „Spoga“, die Internationale Fachmesse für Sportartikel, Camping-Bedarf und Gartenmöbel. Doch weil der Sportartikelfachhandel schon seit langem mit der Kölner Veranstaltung nicht mehr zufrieden war, wird nun drei Wochen vor der „Spoga“ vom 30. August bis 2. September auf der Münchner Theresienhöhe eine „Sommer-Ispo“ stattfinden.

Während der Streit um Ispo und Spoga noch anhält, mußten die Kölner eine neue Niederlage einstecken. Sie wollten zusätzlich zu der Deutschen beziehungsweise Internationalen Möbelmesse, die jeweils zu Anfang des Jahres die Branche in Köln versammelt, noch eine zentrale Möbelmusterung für Dezember ansetzen. Doch damit verärgerten sie den ihnen eng verbundenen Wirtschaftszweig.

Ebert mußte einen Rückzieher machen: Die zentrale Musterung, mit der regionalen Veranstaltungen das Wasser abgegraben werden sollte, wurde abgeblasen; statt dessen wird die große Möbelmesse möglicherweise auf den Spätherbst vorverlegt.

Ermuntert durch die Spoga-Querelen und den Möbelmusterungsärger, rühren sich in Köln auch andere Branchen: Die Eisenwarenhersteller plädieren für eine „Entzerrung“ der drei Verbundmessen Domotechnica, Hausrats- und Eisenwarenmesse. Das „Überlappungsprogramm“ wird nicht mehr als optimal angesehen.