Grönlands Zukunft – nicht länger auf Eis gelegt

Von Gunter Hofmann

In der Bar vom freundlich-verlassenen Arctic-Hotel treffen sich abends alle: Grönländer, die hier geboren sind, die britischen, schwedischen und deutschen Touristen oder auch die alteingesessenen Dänen mit den Kolonialoffiziersmienen, die es hierher verschlagen hat, weil sie einmal mit den Deutschen kollaboriert hatten, oder die jungen dänischen Techniker, die einfach Geld verdienen wollen, möglichst rasch. Schön, sagen sie alle in der Atlantic-Bar, schön ist es hier. Es klingt irgendwie trotzig.

Die Bar, das ist der Fluchtpunkt für alle, die hier leben in der Nähe des tristen Flughafengeländes von Narssarssuaq, eine Flugstunde von Island entfernt, jedenfalls, wenn der Pilot das Wolkenloch findet, um absteigen zu können, sonst fliegt er zurück nach Keflavik.

Manche hat ein „Grönland-Bonus“ hergelockt. So die beiden jungen Dänen, die zu Hause keine Arbeit fanden; sie haben sich gegen gutes Geld in ein Land verdingt, das von den Dänen noch vor nicht allzu langer Zeit als eine Art teurer Ballast betrachtet worden ist. Grönland? Das war eben eine riesige, einsame, unnütze Insel. Nur deshalb hat das Land nicht wie andere Kolonien gelitten und geduldet, weil es eben auch als Reservat, als eine Art Freilichtmuseum galt, und weil hier wenig zu holen war.

Sie fühlten sich, sagen die beiden Dänen, Ökonomen von Haus aus, hier „wirklich wohl“, weil das ein Land sei, in dem man noch etwas machen könne. Sie treten gar nicht auf wie die Pioniere des wilden Nordens. Sie wollen nur ihr eigener Herr sein im Rahmen des Möglichen. Einsam? Gewiß, „aber daran gewöhnt man sich“.

Leicht kann das dennoch nicht sein. Denn üppig ist hier nichts, auch nicht im Süden Grönlands mit dem schmalen, grünen, milden, bewohnbaren Küstenstreifen vor dem endlosen, gottverlassenen Inlandeis, dem Niemandsland. Wer hier lebt, hat nichts zu lachen. Wer jobt, hat es schwer. Wer genießen will, muß Unwirklichkeit lieben.