• Kunststoffverarbeiter klagen darüber, daß sie ihre Rohstoffe nicht mehr in beliebiger Menge, sondern vom Lieferanten zugeteilt bekommen. Machen diese sich schon die Iran-Ölkrise zunutze, um die Preise hochzutreiben?

Rathje: Eine Verknappung bestimmter Kunststoff-Rohstoffe hat sich in der Tat eingestellt. So ist zum Beispiel Hochdruck-Polyäthylen, der am meisten verwendete Kunststoff, derzeit nicht in beliebigem Umfang zu bekommen. Betroffen davon sind insbesondere die Hersteller von Folienverpackungen wie Beutel, Tragetaschen, Säcke, Schrumpf- und Automatenfolien, die als Ausgangsmaterial fast ausschließlich diesen Rohstoff einsetzen.

Die eigentliche Ursache für die Versorgungsschwierigkeiten liegen meines Erachtens weiter zurück und sind nicht den Geschehnissen im Iran zuzuschreiben. Ausschlaggebend dürfte vielmehr ein weltweiter Nachfrageschub nach petrochemischen Vorprodukten sein, die für die Kunststofferzeugung benötigt werden und der dadurch entstanden ist, daß jetzt auch in den USA dem Fahrbenzin zur Reduzierung des Bleigehalts mehr von diesen Produkten zugeführt wird. Gerade auch von dieser Stufe aus sind die Notierungen in die Höhe geschnellt. Die Auswirkungen des Iran-Ölausfalles dürften dabei noch gar nicht berücksichtigt sein.

  • Worauf stützen die Chemiefirmen als Lieferanten die Kontingentierung?

Rathje: Von der chemischen Industrie wird die Mengenbegrenzung mit eigenen Beschaffungsproblemen bei den Vorprodukten begründet, und hier wird an erster Stelle Naphta genannt, das derzeit auf dem freien Markt nicht in ausreichenden Mengen verfügbar ist.

  • Da Naphta ein petrochemisches Vorprodukt ist, liefert die Ölverknappung den zuteilenden Firmen ein zusätzliches Argument. Das kommt den Wünschen nach höheren Preisen sicher sehr entgegen?

Rathje: Die vom Iran ausgehende Unsicherheit hat sicherlich zu zusätzlicher Hektik geführt und dadurch die Lage beschleunigt zugespitzt. Im Zuge dieser Entwicklung sind die Rohstofferzeuger praktisch dazu übergegangen, ihre Produkte nur noch zu Tagespreisen zu verkaufen. Dies macht eine längerfristige Preisgestaltung auch der Verarbeiter derzeit nicht möglich. Das Ausmaß der Teuerungsrate ist daher bisher nicht voll absehbar und zeigt noch steigende Tendenz.