Der Kanzler und der Bundeswirtschaftsminister haben sich, ohne aktuellen Anlaß, gegen Benzinrationierungen ausgesprochen. Haben sie damit schlafende Hunde geweckt? Wohl kaum. Denn ihre Äußerungen rühren an eine deutsche Urangst: nicht mehrfach Belieben fahren zu können, weil der Geldbeutel sonst ebenso schnell leer würde wie der Tank.

Hoffentlich bleibt es bei dieser Haltung, wenn es wirklich einmal ernst wird. Denn es geht ja nicht nur darum, daß den Bürgern wie im Winter 1973/74 wieder einmal ein paar Sonntagsfahrverbote zudiktiert werden könnten. Es geht vielmehr um die grundsätzliche – und gerade bei Ölerzeugnissen irgendwann einmal unausweichliche – Frage, wie man den Mangel regulieren soll: von Amts wegen oder über den Preis. Man kann es denen, die immer gleich nach dem Staat rufen, nicht früh und nicht eindringlich genug sagen: Auf keine andere Weise läßt sich Mangel so vernünftig beheben wie über den Preis.

Wenn wir eines hoffentlich fernen Tages wirklich 1,50 oder zwei Mark oder noch mehr für den Liter Benzin bezahlen müßten, würde es wirtschaftlich lohnend, Ersatzenergien zu produzieren, die bislang noch keine Chance haben. Freilich: Es müßten dann auch, wenn auch nur vorübergehend, viele Bürger ihr Auto abmelden. Das wäre hart – doch vertretbar, denn ein Grundrecht würde nicht verletzt. pl