Von Peter C. Hubschmid

Die Baumassen der Stadt Messina beginnen allmählich, sich in einzelne Häuser aufzulösen. Wir stehen an der Reling des Fährschiffes und steuern, vorbei an den Klippen Scylla und Charibdis, ein „anderes“ Land an. Die Sizilianer haben bekanntlich ein eigenes Nationalbewußtsein. Sie fühlen sich erst in zweiter Linie als Italiener. Und das wird wohl auch die geplante, gewaltige Brücke nicht ändern können, die das abtrünnige Eiland wieder fester ans Mutterland annabeln soll.

Auf der größten Insel des Mittelmeers angekommen, lenken wir unser Auto südwärts und fahren auf engen Straßen durch die grauen Häuserzeilen staubiger Städtchen und Dörfer zunächst nach Taormina. Der Sommerort hat auch zur Winterszeit viele Stammgäste. Man trifft vor allem Briten und Skandinavier, die, aus der Kälte kommend, hier spürbar auftauen. Sie haben „ihre“ Hotels, wo sie

Wein ihrer frierenden Landsleute im Norden gedenken. Sizilien im Februar ist schließlich animierend genug. Während in Nordeuropa noch der Winter umgeht, stehen in den Parks und Gärten von Taormina die Bougainvillea, der rote und weiße Oleander und der Rhododendron in voller Blüte, glänzt das Laub schon in vielen Grüns und spenden weit ausladende Pinien Schatten vor zuviel Sonne.

Es ist Markttag, als wir durch Taormina bummeln. Viele der Frauen, die da prüfend an den Straßenständen entlanggehen oder schwatzend verweilen, sind schwarz gekleidet. Auch junge. Die Händler sind meist Bauern, die wintersonnengereifte Tomaten und anderes Gemüse und Obst anbieten. Nichts trübt die Idylle, denn außerhalb der Touristensaison bleiben die Kitsch- und Souvenirverkäufer fern.

Am Fuße des Ätna entlang reisen wir weiter nach Süden. Der schneebedeckte Gipfel steht wirkungsvoll im Hintergrund einer Frühlingslandschaft voller weißblühender Mandel- und hwertragender Orangen- und Mandarinenbäu- bis wir in die Ebene von Catania kommen. Die Straße führt uns in die Nähe der Küste, vorbei an Industriebetrieben und pinienbestandenen Campingplätzen. In einem Dorf machen wir Rast mit warmem, knusprigem, holzofenfrischem Brot, Schafskäse und Tomaten aus den Dorfladen. Und dann geht’s weiter nach Ragusa – im Regen. Die Provinz ist eine Fundgrube für Archäologen, so bei Comiso, an der Küste bei Kamarina und in den Höhlen des Ispica-Tales. Die Stadt Ragusa stellt die wertvollsten Ausgrabungsstücke, die zwei- bis dreitausend Jahre alt sind; in ihrem archäologischen Museum aus.

Für Agrigent, unsere nächste Station, genügte uns ein Tag nicht. Wir wohnten preiswert in einem fürstlichen Hotel und nahmen uns drei Tage, um das „Tal der Tempel“ zu erkunden. Es erstreckt sich, wie alle griechischen Tempelanlagen, in Ost-West-Richtung – links, auf leiner Kuppe, steht der Tempel der Juno Lacinia, ganz rechts heben sich die dorischen Säulen des Herakles-Tempels schwarz gegen den Himmel ab.