Zwei ungewöhnliche Wintersport-Orte für Alpenmüde

Von Rainer Deglmann-Schwarz

Taos / Neu-Mexiko

Taos im Norden Neu-Mexikos ist ein in jeder Hinsicht ungewöhnlicher Skiort, der selbst den verwöhntesten alpenländischen Ansprüchen gerecht wird. Schon die Anfahrt ins neu-mexikanische Skiparadies durch endlos scheinende Steppen- und Wüstenlandschaft ist nicht alltäglich – von Schnee vorerst keine Spur. Dann Taos-Pueblo, eine 800 Jahre alte Indianersiedlung, nur wenige Autominuten vom Skiort entfernt. 1400 Indianer leben in dem Pueblo, in bis zu fünf Stockwerken hohen Adobe-Wohnblöcken; als Skitourist fühlt man sich hier eher deplaziert. Um so stärker der Kontrast, wenn sich plötzlich eines der schönsten Skigebiete öffnet: bunte Farben rundum und sportlicher Betrieb.

Taos fällt mit seinen rasanten, steilen Pisten etwa in dieselbe Kategorie wie Jackson Hole. Das Schaustück von Taos ist der Kachina-Peak, mit 3600 Metern der höchste lifterschlossene Skiberg Nordamerikas – und dies ausgerechnet in Neu-Mexiko. Eine der Spitzen-Abfahrten vom Kachina-Peak sticht senkrecht entlang der Lifttrasse in die Tiefe, Höhendifferenz 600 Meter, Neigungswinkel 45 Grad. Sie ist Teststrecke der lokalen Pisten und wird in amerikanischen Skikreisen landauf, landab hochgerühmt. Daneben verfügt der Kachina-Peak über eine ganze Skala von Pisten, die auch der Durchschnittsfahrer bewältigen kann: Ein perfekt hingewellter Pistenteppich, pedikürt, möchte man fast sagen. Andererseits lockt auch in Taos, abseits der Pisten, jener berühmt-federleichte, knietiefe „Wildwest“-Pulverschnee, in dem der Skiläufer nicht zu gleiten, eher zu segeln; zu schweben scheint.

Taos ist ein gemütliches Skidorf ohne Rummel, etwa mit Murren oder Zinal in der Schweiz zu vergleichen; hier zählt die Lust am Schnee mehr als Bargeflüster und Disko-Zauber.

Informationen Taos: