Zum Schicksal von Journalisten gehört es, daß ihnen mitunter von Wissenschaftlern geraten wird, auf die Darstellung gewisser Sachverhalte besser zu verzichten.

Nun sind Journalisten wenig geneigt, derartigen Ratschlägen zu folgen, und das nicht nur aus berufsegoistischen Gründen. Allerdings hat diese Zeitung vor zwei Wochen zumindest den Anschein eines Beweises dafür geliefert, daß die Informationsabstinenz mancher Wissenschaftler nicht völlig unberechtigt ist. In das ZEIT-Dossier über die „Babys im Glas“ wurde ein Text des Münchner Philosophie-Professors Robert Spaemann eingerückt, der meine ärgsten Befürchtungen weit übertroffen hat.

Beim Anblick der Korrekturfahnen des Dossiers muß den Professor Spaemann ein furor philosophicus gepackt haben, der ihn gleich mehrmals das Kind mit dem Bade ausschütten ließ.

Erstens: Zunächst wird in der Attitüde von Großmoguln der Überbringer „schlechter Nachrichten“ für dieselben haftbar gemacht und hingerichtet. Aber mit welchen Methoden? Der Satz „Vermessen wäre es jedenfalls, heute voraussagen zu wollen, bis zu welchen Grenzen sich die Menschen der modernen Biologie bedienen werden“ soll also schlimm sein, da in ihm Menschen wie Maikäfer vorkommen. Hat der Philosoph den simplen Proseminar-Trick versucht, in diesem Satz einmal „Menschen“ gegen „Maikäfer“ auszutauschen? Es geht nicht, einfach deshalb, weil hier Menschen als Handelnde vorkommen in einer Weise, die Maikäfern nicht vergönnt ist.

Zweitens: Die Heraufkunft einer „Schönen neuen Welt“ ist gewiß alles andere als unvermeidlich, ich halte sie sogar für sehr unwahrscheinlich. Unvermeidlich ist jedoch, daß aus durchaus legitimen Interessen der Tierzucht oder der biologisch-medizinischen Grundlagenforschung Erkenntnisse folgen, die sich ohne allzu große Schwierigkeiten auch auf den Menschen übertragen lassen. Inwieweit dieses geschehen sollte oder dürfte, muß sorgfältig diskutiert werden und ist nicht mit dem Hinweis zu erledigen, daß auch KZ-Ärzte moderne Biologie benutzten.

Drittens: Der Philosoph scheint die Vorstellung zu haben, daß sich Menschen naturwüchsig vermehren, in aller Unschuld wie die Bienen oder die Hasen. Diese Vorstellung freilich ist inhuman, denn jede menschliche Kultur hat den Eltern die Möglichkeit gegeben, die Kinderzahl einzuschränken: von der Tötung des Neugeborenen bis zu Ogino-Knaus und der Pille; Alles andere wäre ja wohl auch unverantwortlich.

Viertens: Warum dann aber die Pille, die Tötung von Geisteskranken und Juden im Dritten Reich, die Euthanasie und die Abtreibung zu einem „Zusammenhang“ eines ganzen Trends“ zusammengezurrt werden, der dann natürlich kriminell ist, bleibt mir unerfindlich.