Auch wenn in dieser Woche in den Börsensälen wegen der Faschingsveranstaltungen von einem regulären Geschäft kaum gesprochen werden konnte, wurde deutlich, daß die Verkaufsneigung auf Basis des in den letzten Wochen gesunkenen Kursniveaus gering ist. Es wird die Meinung vertreten, daß der Vorrat an Hiobsbotschaften nunmehr erschöpft ist und man zur nüchternen Beurteilung der Fakten zurückkehren kann, auch wenn der chinesisch-vietnamesische Grenzkonflikt noch nicht beendet ist.

Positiv für die Börse wirkt sich die Bereitschaft der Iraner aus, ihren Ölexport wiederaufzunehmen, zur Beruhigung steuert auch die sich abzeichnende Konsolidierung am Rentenmarkt bei. Da niemand weiß, wie lange sie anhalten wird, fallen festverzinsliche Papiere als Anlagealternative für die meisten Investoren jedoch nach wie vor aus.

Ihr Interesse scheint sich zunehmend auf die Aktien der Großchemie zu richten, die bei den jetzigen Kursen und den zu erwartenden Bardividenden von sechs Mark unter Einschluß des Steuerguthabens eine Rendite von rund sieben Prozent abwerfen, ein Satz, der auch in Zukunft die Kurse nach unten abstützen sollte.

Mit Kurssteigerungen für die Aktien der BASF, Bayer und Hoechst rechnet man in den Börsensälen, sobald sich Ende März die Zahlen aus den Zwischenberichten für das IV. Quartal 1978 abzeichnen. Kenner der Branche wollen wissen, daß es seit Dezember mit dem Ertrag deutlich bergauf geht, nicht zuletzt weil Kunststoffe und Fasern in den Bereich der „schwarzen Zahlen“ zurückgekehrt sind oder der Abschied von den „roten Zahlen“ unmittelbar bevorsteht. Angesichts der besser ausgelasteten Kapazitäten sollte es möglich sein, nicht nur die höheren Rohölpreise weiterzugeben, sondern – um mit dem Verbandsvorsitzenden der Kunststoffindustrie, Herbert Willersinn, zu sprechen – auch jenen „verhältnismäßig kleinen, zusätzlichen Aufschlag“ zu erzielen, der noch nötig ist, um die Kunststoffindustrie aus den roten Zahlen zu bringen. Nach der Ölkrise 1974 war dies ohne weiteres der Fall.

Für die BASF wird sich vermutlich die eigene Rohölbasis auszahlen, die das Unternehmen über die Tochtergesellschaft Wintershall besitzt. Die Frankfurter Börsenbriefe wollen wissen, daß die BASF 65 Prozent ihres Bedarfes an Naphta und Flüssiggas aus eigener Versorgung deckt. Nach den bisherigen Erfahrungen mit den Aktien der Großchemie ist allerdings nicht anzunehmen, daß ein Papier isoliert nach oben zieht. Auch für Hoechst und Bayer läßt sich einiges Positive sagen.

Im Gegensatz zu früheren Jahren ist bisher der saisonale Anstieg der Bankaktien kurz vor Beginn der Bilanzsaison ausgeblieben. Ihre Kurse bewegen sich nur wenig über den niedrigsten Notierungen des vergangenen Jahres. Man weiß zwar, daß die Kreditinstitute im vergangenen Jahr wieder „angemessen“ verdient haben, macht sich aber Sorgen über die Gewinnsituation des Jahres 1979.

Wird bei ohne Zweifel wachsendem Kreditgeschäft die Zinsmarge so ausgeweitet werden, daß die aus heutiger Sicht drohenden Mindereinnahmen aus dem Effekten- und Devisenbereich ausgeglichen werden können und obendrein der zu erwartende Abschreibungsbedarf auf die Rentenportefeuilles gedeckt werden kann? Und welche Verluste drohen möglicherweise aus den Iran-Engagements? Diese offenen Fragen veranlassen die Aktienkäufer zur Zurückhaltung gegenüber Bankpapieren. K. W.