Drei Monate nach der Einstellung der fünf Zeitungen des Londoner Times-Verlages am 30. November 1978 geht der Zermürbungskampf unvermindert weiter. Seit dem Mitte Dezember ausgegebenen Marschbefehl hat Woche für Woche das kaufmännische und technische Personal den Kündigungsfristen folgend das Zeitungshaus verlassen. Der letzte große Exodus – 1300 Leute mit langjähriger Zugehörigkeit zum Verlag – steht in der ersten vollen Märzwoche bevor. Danach wird Times Newspapers Limited noch ungefähr 1100 Leute beschäftigen.

Das weitaus größte Kontingent sind die etwa 450 Journalisten, welche der vom Management vorgeschlagenen neuen Vereinbarung über das Procedere bei Arbeitskonflikten und über die personelle Besetzung bei elektronischer Zeitungsherstellung im Prinzip zugestimmt haben. Times Newspapers wird dann weiterhin über die fünf Titel verfügen: die Times‚ die Sunday Times sowie drei Spezialpublikationen für Erziehung, Bildung und Literatur. Aber die Journalisten können sie nicht herausbringen. Denn, so ein Sprecher des Managements über den Pfand der Kontakte und Verhandlungen – mit den Gewerkschaften: "Wir befinden uns nach wie vor in der Sackgasse.

Einen Versuch, den toten Punkt zu überwinden, hat der Generalsekretär des Gewerkschaftsbundes, Len Murray, unternommen. Er wurde auf bizarre Weise bekannt: Murrays Kompromißpapier wurde auf dem Flur in der Redaktionsetage entdeckt. Es sah vor, daß die Kündigungsfristen für eine bestimmte Zeit verlängert werden, die aus eigenem Antrieb Ausgeschieden nen eine einmalige Zahlung, erhalten und die Gefeuerten nach erfolgreichen Verhandlungen mit voller Nachzahlung wieder eingestellt werden. Die Verlagsleitung wurde einer Stellungnahme dadurch enthoben, daß das Kompromißpapier auch bei den Gewerkschaften keine Gnade fand.

Die zur Untätigkeit Verurteilten Journalisten der Sunday Times hatten längst das Vertrauen in ihre Verlags-Oberen verloren. Nur ein Wechsel an der Spitze, so verlangten sie in einer Resolution, könne aus der Sackgasse herausführen. Die Kollegen bei der Times hatten eine andere Idee. Sie gaben eine Studie in Auftrag, um zu prüfen, "ob der Kauf der Zeitung durch die, die für sie arbeiten, eine mögliche Lösung ist".

Schließlich meldete sich auch der an Medienfragen. interessierte Energieminister Tony Benn zu Wort. Er lancierte den Vorschlag, die staatliche Rundfunkstation BBC sollte doch die Times unter ihre Fittiche nehmen. Chefredakteur William Rees-Mogg und der Generaldirektor der BBC winkten ab.

Niemand weiß so recht, wie es weitergehen soll. Ein Sprecher für Times Newspapers: Jetzt seien eine durchgreifende Reform der Arbeitsbeziehungen und die Einführung der neuen Technik unumgänglich. Ein Zurück zu den ständigen Störungen der Produktion könne nicht mehr akzeptiert werden.

Bisher haben die Gewerkschaften darauf bestanden, daß Verhandlungen erst beginnen können, wenn ihre Mitglieder wieder eingestellt sind. Die zentrale Rolle spielen hier die Setzer, deren hoch bezahlte Arbeitsplätze durch elektronische Arbeitsmethoden am stärksten gefährdet sind. Sie wollen die Finger an den Tasten behalten. Das gelang ihnen in einer Vereinbarung mit der Mirror-Gruppe, die auf Elektronik umstellt. Auch in einer Vereinbarung mit der Express-Gruppe und der Sonntagszeitung Observer konnten sie ihr Monopol für den Fall des elektronischen Wandels behaupten.