Im Grenzkrieg zwischen Tansania und Uganda hat sich die Lage für das Regime Idi Amins weiter verschlechtert. Jetzt rebellieren auch ugandische Truppen gegen Amin.

Nachdem Bemühungen von Unterhändlern der Organisation Afrikanischer Einheit gescheitert waren, eine Feuereinstellung im tansanisch-ugandischen Grenzkrieg zu erreichen, ist zu Wochenbeginn eine Eliteeinheit der ugandischen Armee, das „Selbstmord-Regiment“, zur offenen Rebellion gegen Amin übergegangen und hat die Distrikthauptstadt Masaka, 150 Kilometer südlich Kampala, in seine Gewalt gebracht. Der ugandische Staatsrundfunk hat zu dem Truppenaufstand bisher nicht Stellung genommen. Präsident Amin bestätigte jedoch den Fall von Masaka. Er behauptete allerdings, die Stadt sei von tansanischen Truppen, „Söldnern“ und Exil-Ugandern eingenommen worden.

In der ugandischen Hauptstadt rechnen Diplomaten sogar mit einem baldigen Einmarsch der Tansanier in Kampala. Selbst ugandische Regierungsstellen deuteten an, daß sie eine Eroberung der Hauptstadt durch tansanische Einheiten, ugandische Guerillas und meuternde Armeeverbände innerhalb von zehn Tagen für möglich halten.

Der ugandische Diktator Ich Amin übernahm im Januar 1971 die Macht, nachdem die Armee seinen Vorgänger, Staatspräsident Milton Obote, gestürzt hatte. Seit Juni 1976 ist Amin Präsident „auf Lebenszeit“. An die Stelle der Sozialisierungspolitik Obotes traten Säuberungsaktionen und politischer Mord. Schätzungen gehen davon aus, daß in den acht Jahren der Herrschaft Idi Amins mindestens 100 000 Menschen getötet wurden. Andere Quellen nennen als Zahl der Ermordeten eine halbe Million.

Die Internationale Juristenkommission und amnesty international erhoben Protest gegen die Gesetzlosigkeit, die Verletzungen der Menschenrechte und die Morde in Uganda. Das prominenteste Opfer war 1977 der anglikanische Erzbischof von Uganda, Janani Luwum.

Amin entging mehreren Attentatsversuchen. In verschiedenen Ländern bildeten sich exil-ugandische Widerstandsgruppen. Einige ugandische Minister retteten sich ins Ausland. Die Vereinigten Staaten riefen 1973 ihren Botschafter aus Kampala zurück, Großbritannien brach 1976 die diplomatischen Beziehungen völlig ab.

Schon 1971 hatten Zusammenstöße an der Grenze nach Tansania begonnen, das Ex-Präsident Obote und anderen Exil-Ugandern Asyl gewährt. Im Oktober 1978 brach ein neuer Grenzkrieg aus. Uganda sprach von einer tansanischen Invasion, andere Quellen von einer Rebellion militärischer Einheiten gegen amin-treue Truppen. Unmittelbar danach gab Uganda die Annexion von fast 2000 Quadratkilometern tansanischen Territoriums bekannt, das freilich im Dezember von Tansania wieder in Besitz genommen wurde. Im Januar 1979 schließlich rief Ex-Präsident Obote die Ugander zum Sturz Amins auf. U.V.