Mafia-Methoden im deutschen Einzelhandel

Von Joachim Nawrocki

Eintrittsgelder, Regalmieten, Werbekostenzuschüsse, kostenpflichtige Warenrückgabe, Dutzende von Rabatten – das sind nur einige der „Sonderkonditionen“, mit denen marktstarke Einzelhandelsunternehmen ihren Lieferanten finanzielle Zugeständnisse abpressen (ZEIT Nr. 9 „Als Unternehmer schäme ich mich...“). Viele dieser Forderungen sind illegal, doch die Geschädigten wagen nicht den Weg zum Kartellamt oder Gericht, weil ihre rüden Widersacher den Streitwert der Prozesse in Millionenhöhe schrauben und – schlimmer noch – die Ware des widerspenstigen Herstellers aus ihren Regalen verbannen. Meist sind mittelständische Unternehmer Opfer dieses Vorgehens. Daß sich selbst Großunternehmen gegen diese Machenschaften kaum wehren können und auf die Dauer auch die Verbraucher, zeigt der zweite Teil des ZEIT-Reports über Mafia-Methoden im deutschen Einzelhandel,

Selbst größere Konzerne können sich diesem Sog der Sonderkonditionen nicht entziehen. Helmut Maucher, Chef von Nestlé Deutschland, meint zwar, daß auch die größten Handelsbetriebe nicht auf seine Ware verzichten können. Aber allein durch gute oder schlechte Plazierung der Ware in den Regalen könnten sie Marktanteile beeinflussen.

Exzessive Rabattpolitik

Eine so verursachte Umsatzeinbuße von fünf bis zehn Prozent, rechnet Maucher vor, kann den Gewinn bei Nestlé um drei bis vier Prozent schmälern und das Unternehmen an den Rand der roten Zahlen bringen.

Was tut Nestlé also? „Wir versuchen, eine mittlere Linie einzuhalten zwischen Markenpolitik und Eingehen auf die Verhaltensweisen des Handels. Wir versuchen, uns an die Wettbewerbsregeln des Marken Verbandes zu halten. Wir zahlen keine Regalmieten, geben aber Konditionsrabatte. Von uns schlüpft keiner in den SPAR-Kittel.“