Der Siegeszug der japanischen Industrie auf dem amerikanischen Markt begann nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges mit Ramschtextilien, die den Japanern den Ruf des billigen Jakob einbrachten. Heute spielt die Textilindustrie in Japan keine bedeutende Rolle für den Export mehr. Und das Image japanischer Produkte ist alles andere als das eines billigen Jakobs. Dafür sorgten vor allem die japanischen Kameras, die die einst dominierende deutsche Photoindustrie auf dem US-Markt zum Outsider machte. In einigen Produktgruppen – wie beispielsweise Kleinbildkameras – besitzen die Japaner heute einen Marktanteil von über 85 Prozent.

Bei der Unterhaltungselektronik begann der Siegeszug bescheiden mit billigen Transistorradios (ein Welterfolg, der General de Gaulle dazu veranlaßte, den japanischen Premierminister als „Transistorradioverkäufer“ abzukanzeln). Heute stammen neunzig Prozent aller in den USA abgesetzten Radios aus Japan. Bei Schwarzweißfernsehern haben die Asiaten einen Marktanteil von siebzig Prozent erreicht. Daß der japanische Anteil bei Farbfernsehern nur etwa 45 Prozent beträgt, liegt daran, daß mehrere japanische Hersteller inzwischen in den USA Produktionsstätten aufgebaut haben. Den US-Markt für Tonbandgeräte teilen sich japanische Firmen fast ganz untereinander auf: Es gibt keinen US-Hersteller mehr. Und die übrige Konkurrenz ist zur Bedeutungslosigkeit zusammengeschrumpft. Dasselbe gilt für Videogeräte.

Spektakuläre Erfolge haben die Japaner auch beim Verkaufen ihrer Autos. Die Marken Toyota, Datsun, Honda, Mazda und Subaru erkämpften sich im vergangenen Jahr einen Marktanteil von 12,5 Prozent (insgesamt haben sämtliche Importwagen – von denen 1978 nur noch ein Fünftel aus Deutschland stammten – einen Marktanteil von 18,5 Prozent).

Auf dem Stahlmarkt bestimmen die Japaner in den USA etwa seit fünf Jahren das Preisgeschehen. Da die US-Stahlindustrie die Modernisierung und Ausweitung ihrer Produktion verschlief, liegen die amerikanischen Stahlimporte wertmäßig in der Größenordnung der Rohöleinfuhren. Knapp die Hälfte davon kommt aus Europa und die andere Hälfte aus Japan. Dieses Verhältnis hätte sich in den vergangenen zwei Jahren mit Sicherheit zugunsten der Japaner verschoben, wenn die US-Regierung nicht Mindestpreise für Importstahl festgelegt hätte, durch die der Wettbewerbsvorteil der – kostengünstiger produzierenden Japaner – gegenüber den Europäern aufgehoben wurde.

Im Geschäft mit Büromaschinen sind die Japaner derzeit nur bei den elektronischen Taschenrechnern mit einem Marktanteil von 35 Prozent ein gewichtiger Faktor. Stark im Kommen sind sie aber auch bei Kopiermaschinen. Zwar ist ihr Marktanteil hier nur etwa sieben Prozent. Aber bei den Kleinkopierern sind sie bereits führend.

Nur noch eine Frage der Zeit ist es, bis die große japanische Computer-Offensive beginnt, vor der – ironischerweise – IBM-Chairman Gary die Öffentlichkeit gerne warnt. Derzeit spielen japanische Computerhersteller noch keine Rolle. Aber nach Angaben des für die Wirtschaftsplanung zuständigen Ministeriums für internationalen Handel und Industrie ist geplant, daß Nippons Computerindustrie 1985 Exporteinnahmen von 1,7 Milliarden Dollar einfährt. Geht man davon aus, daß ein Drittel davon in den USA geerntet wird, entspräche das einem Marktanteil von etwa zehn Prozent am US-Markt – soviel besitzt heute keine einzige US-Firma neben dem Marktführer IBM