Von Fritz J. Raddatz

F. J. R.: Ist es richtig oder falsch, wenn man Sie einen marxistischen Antikommunisten nennt?

Wittfogel: In dieser Kurzform ist die Frage schwer zu beantworten. Ich bin kein Marxist mehr, aber seit meiner Loslösung vom Kommunismus/Marxismus habe ich mich einem neuen Studium von Marx ergeben; das Ergebnis ist eine sehr positive Auffassung der wissenschaftlichen Leistung von Marx. Ich bin kein Marxist mehr, aber ich versuche, im Marxismus eine neue Dimension zu bestimmen..

F. J. R.: Das ist gleich ein sehr theoretischer Anfang. Ihre berufliche, intellektuelle Karriere hat ja mit artistischen Dingen begonnen, vor allem erstmal mit mehreren Theaterstücken. Waren diese Stücke von Ihnen nur als politische oder auch als künstlerische Äußerung gemeint?

Wittfogel: Die Stücke, die der Malik-Verlag veröffentlichte, hatten alle eine politische Orientierung. Meine frühen Stücke, ein expressionistisches eingeschlossen, die nicht gedruckt wurden, waren nicht politisch; sie hatten ein rebellisches und trotziges Element, aber sie waren nicht politisch in dem Sinne meiner späteren veröffentlichten Stücke.

F. J. R.: Aber die Dramatik Ihrer Zeit, eigentlich vor Brecht, muß man ja datieren, also etwa 1921 bis 1924 zu Teilen von Piscator realisiert, war von Ihnen durchaus als Politikum mehr denn als schöngeistiges Schreiben gemeint?

Wittfogel: Ja. Als Politikum, aber im künstlerischen Raum und mit Inanspruchnahme künstlerischer Mittel.