Um reichlich drei Prozent“ dürften sich in diesem Jahr die Kosten für die Lebenshaltung in der Bundesrepublik verteuern, prophezeit das HWWA-Institut für Wirtschaftsforschung in Hamburg. Als Ursache für diese Steigerungsrate führt das Institut die erwartet hohen Aufschläge auf die Ölpreise und Verteuerungen von eingeführten Vorprodukten an. „Alles in allem werden die Verbraucherpreise für gewerblich erzeugte Güter schneller steigen als im Verlauf des vergangenen Jahres“, meint das HWWA. Aber auch für Nahrungsmittel wird der Verbraucher 1979 tiefer in die Tasche greifen müssen, wenn die Ernte nicht sehr gut wird.

Im Vergleich mit den USA ist die deutsche Preissteigerungsrate aber durchaus moderat. Die Verbraucherpreise stiegen in den Vereinigten Staaten allein im Januar um 0,9 Prozent, was einem jährlichen Inflationstempo von 10,8 Prozent entspricht. Lebensmittel, Getränke und die Kosten für die Wohnung verteuerten sich am Jahresanfang sogar um 1,4 Prozent. Damit dürfte der scharfe Preisauftrieb das Ziel Präsident Carters, die Inflationsrate bei rund 7 1/2 Prozent zu halten, wohl in Frage gestellt haben.

Fünf Prozent mehr als 1977 setzten im vergangenen Jahr die deutschen Einzelhandelsunternehmen um. Insgesamt gingen 340 Milliarden Mark über die Ladentische. Die preisbereinigte Umsatzzunahme lag nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes bei drei Prozent. Profitiert haben vor allem die Nahrungs- und Genußmittelbranche sowie die Händler von Kohle und Mineralerzeugnissen mit jeweils nominal plus sechs und real plus fünf Prozent. Hausrat war mit nominal plus vier Prozent unterdurchschnittlich gefragt. Schlecht schnitten die Einzelhändler ab, die Wohnbedarf anboten: ihr Umsatz stagnierte.

Gespräche für einige Tarifbereiche stehen derzeit an. Für die rund 300 000 Beschäftigten im Bankgewerbe setzen sich die DGB-Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) und die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) mit unterschiedlichen Forderungen ein: HBV fordert Tarifverbesserungen von insgesamt 7,2 Prozent, wobei sich die Endgehälter um 5,8 Prozent und der Urlaub für alle Arbeitnehmer auf sechs Wochen erhöhen sollen. Außerdem sollen ältere Arbeitnehmer die Möglichkeit haben, früher pensioniert zu werden. Die DAG fordert Gehaltserhöhungen um 6,5 Prozent, einen um drei Tage verlängerten Urlaub und Verhandlungen über ein Rationalisierungsschutz-Abkommen.

Auch für die Arbeitnehmer des öffentlichen Dienstes gibt es zwei Forderungspakete: Die Gewerkschaft öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) verlangt neben 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt eine Urlaubsanhebung um 250 auf 400 Mark, die von der DAG vertretenen Beschäftigten erwarten sechs Prozent mehr auf ihrem Gehaltsstreifen und eine prozentuale Anhebung des Urlaubsgeldes, das in einigen Jahren die Höhe eines vollen 14. Gehaltes erreichen soll. Ho.