Duisburg

Bereits geschriebene Nachrufe auf die „Rhein-Preußen“-Siedlung in Duisburg-Homberg müssen nicht gedruckt werden. Die Atmosphäre, die im Januar während der Zwangsversteigerung einer kompletten Straße vor dem Moerser Amtsgericht „an Friedhof und Beerdigung erinnerte“ (Neue Ruhr-Zeitung), hat sich zum Positiven gewendet. Vor allem die Mitglieder der Bürgerinitiative, die vier Jahre lang um den Erhalt der um die Jahrhundertwende erbauten Zechenhäuser gekämpft hatte, können aufatmen. Mitten im dritten Hungerstreik auf den Stufen des Duisburger Rathauses erreichte sie die frohe Botschaft, daß die Stadt alle noch verfügbaren Häuser gekauft hat.

Das Land Nordrhein-Westfalen trägt 85 Prozent des Kaufpreises, inoffiziell 27 Millionen, die verschuldete Stadt hat an den restlichen 15 Prozent schwer zu tragen. Trotzdem freute sich Oberbürgermeister Krings, daß der drohende Kahlschlag und der Grabenkrieg der „Rheinpreußen“ mit der „Berliner Handels- und Frankfurter Bank“ (BHF), Gläubigerbank des vor fünf Jahren in Konkurs geratenen Homberger Baulöwen Josef Kun, zu den Akten genommen werden kann.

Der Preis einiger „Rheinpreußen“-Bewohner, die immer wieder zur Generalmobilmachung bliesen, um Abriß und Spekulantentum zu stoppen, ist hoch. Der dritte Protest der leeren Mägen – in Duisburg, Frankfurt und wieder Duisburg – dürfte für einige gesundheitliche Schäden zur Folge haben. Doch auch für sie zählt nach 18 Tagen Hungerstreik nur eins: Sie haben ihren Kampf gewonnen, und ihr Schicksal wurde endgültig von dem Lebensweg eines Mannes abgenabelt, dessen Geburtshaus in der „Rheinpreußen‘-Siedlung stand: Josef Kun.

Vor dem Fall wollte der einst steinreiche Bauunternehmer sein Geschäft mit dem Zechensterben machen, indem er diesem ein Sterben der Arbeitersiedlungen folgen ließ. Im großen Stil kaufte er die Zechenhäuser auf, errichtete in ihrer Stelle Hochbauten, die die Restbestände von „Rheinpreußen“ einkeilen. Die Gläubiger, die nach der Kun-Pleite in Aktion traten, erstellten für die ganze Siedlung Abbruchpläne, signalisierten aber auch Bereitschaft, das Gelände zu verkaufen. Die Hochbauten Kuns, Mahnmale der Vertreibung, vor Augen, stiegen die „Rheinpreußen“-Bewohner immer wieder auf die Barrikaden. Doch jetzt dürfen sie sicher sein, daß sie bleiben können. Rosemary Callmann