Eigentlich heißt er Lukas. Aber als er zehn Jahre alt war, „da sind ihm die englischen Wörter in Kopf gestiegen“. Und von da an nennen ihn alle Luki-live. England wird ihm überhaupt zum Schicksal. Als er nach den Ferien von dort zurückkommt, ist er nicht mehr der Luki-live, den Ariane, seine Freundin, zu kennen glaubte. Plötzlich hat er sein Kraushaar zu einem Zöpfchen gebunden, trägt einen Opa-Zwicker, eine Hilfskellnerjacke, geringelte Waden stutzen und einen Rucksack als Schultasche. Außerdem strickt er ununterbrochen. Was das soll? Luki-live will seine Persönlichkeit ändern. „Wenn die Persönlichkeit von innen nach außen dringt, dann muß es umgekehrt auch gehen! Wenn sich jemand ein Äußeres zulegt, dann muß das auf die Dauer in ihm drin etwas bewirken!“ Vor allem wirbelt Luki-live mit seiner Persönlichkeitssuche seine Umgebung durcheinander: Er wird zum Star der Schüler, die Klassenlehrerin („nicht alt, aber grämig“) gerät an den Rand des Wahnsinns, das eingespielte Leben der Hausgemeinschaft beginnt zu rotieren. Luki-live will nur noch die Wahrheit sagen, aber zu allem Unglück verliebt er sich auch noch in Donna Luisas Sparschwein. Das ist eine äußerst hübsche Maid, dazu längst verlobt und ein ziemliches Luder. Ariane hat es schwer, trotz allem zu Luke-live zu aalten, der bös’ in die Klemme gerät. Nein, in dieser Geschichte wird kein Mädchen schwanger, kommt keiner in den Knast, begeht niemand Selbstmord. Aber intensiver, als es in manchen grobgestrickten Sozialschnulzen geschieht, erzählt Christine Nöstlinger in diesem Jugendroman in ihrer melancholisch-witzigen Sprache von den Nöten und Freuden, Konflikten und Ängsten der jungen und alten Leute.

Christine Nöstlinger: „Luki-live“; Oetinger Verlag, Hamburg; 192 S., 16,80 DM.