Szenen auf Gorée in Senegal – Auf den Spuren von „Roots“

Von René Drommert

Es begann so harmlos. Wir, ein paar Dutzend Finnen und Deutsche, fahren mit einem motorisierten Rettungsboot des komfortablen Kreuzfahrtenschiffs „Finnstar“ von Dakar hinüber zur Insel Gorée, deren Name, heißt es, nur eine Abkürzung ist und eigentlich „Goldene Reede“ lautet. Wunderschönes sonniges Wetter, nichts von tropischer Hitze und Schwüle. Das Klima ist wie bei uns etwa Ende Mai oder Anfang Juni, die frische Brise macht das Atmen zu einer Wohltat, und die heimatlichen Schneeverwehungen, die wir noch vor einigen Tagen erlebten, sind in unserer Vorstellung schon unwirklich geworden.

Nach einer Fahrt von zwanzig Minuten verstreuen wir uns, einzeln oder in Grüppchen, über die Insel Gorée, steigen hügelan und durchstreifen die Stadt gleichen Namens, eine Siedlung von rund tausend Seelen. Wir sind wohlgelaunt. Schon am Tage vorher, in der erstaunlich großzügig angelegten (fast „europäischen“, wenn das hier noch ein Schmeichelwort ist) Millionenstadt Dakar haben wir, im Gegensatz etwa zu Marokko oder Tunesien, ein Stück wirklich schwarzen Afrikas gesehen und, in Straßen und auf Markten, die dunkelhäutigen Einheimischen erlebt und das Menschliche in ihren Gesichtern erfahren.

Wie eine Theaterszene

Da gerät man denn leicht, nein, nicht in Rassenhochmut, aber doch gleichfalls in etwas Dubioses: in die Illusion, schon in Kontakt gekommen zu sein mit den flüchtig vorbeigleitenden Menschen dieses Kontinents, wenn sie sich nur ruhig verhalten, womöglich lächeln. Man übersieht dabei so leicht in den Gesichtern die Beimischung von Skepsis, Melancholie oder gar Geringschätzung.

Wir gehen also durch Gorée, eine jener früheren französischen Kolonialstädte, die „sehr hübsch anzuschauen“ sind (erst 1960 wurde Senegal unabhängige Republik); genießen die Anmut von Stadt und Insel in vorsetzlicher Heiterkeit und lassen uns nicht sonderlich aus dem Gleichgewicht bringen, wenn wir hier und da mal ein paar Schritt vom Wege abweichen und einen Blick werfen in winzige Hinterhöfe und Behausungen, Schlupfwinkel der Armut, der Resignation und dumpfen Tristesse.