Die Industrieländer haben aus der ersten Ölpreiskrise im Jähre 1973/74 nichts gelernt. Jetzt folgt die zweite Lektion,

Von Heinz-Günter Kommer Der neuen Energiekrise, die der Weitgehende Ausfall der iranischen Öllieferungen ausgelöst hat, stehen die Industrienationen ähnlich hilflos gegenüber wie dem Ölschock von 1973. Die Abhängigkeit vom Öl des Nähen Ostens ist in den vergangenen fünf Jahren kaum geringer geworden, die Industriemaschinerie bleibt störanfällig.

Beinahe möchte man bedauern, daß der Iran nach relativ kurzer Unterbrechung seine Öllieferungen wieder aufnimmt. und man möchte wenigstens hoffen, daß sie noch möglichst lange Seit auf einem Niveau gehalten werden, das weit unterhalb der bisherigen Mengen liegt. Wenn das nicht geschieht, dann Wird der neuerliche Ölschock nämlich genauso wirkungslos verpuffen wie seine Vorgänger.

Oder will jemand ernsthaft behaupten, die Industrienationen hätten aus der seit 1973 schwelenden Ölkrise die notwendigen Konsequenzen gezogen? Etwa deshalb, weil sie eine Internationale Energieagentur gegründet oder die Pflichtvorräte an Mineralöl drastisch erhöht haben? Das sind doch – bei Light besehen – allenfalls Maßnahmen sur Milderung einer Krise, keineswegs jedoch Vorkehrungen dafür, daß die Krise vermieden wird.

Dazu bedurfte es dessen, was man zwar lauthals gefordert, keineswegs jedoch ernsthaft praktiziert hat: Wir müßten sparsamer mit dem Öl umgehen. Das freilich ist leichter gesagt als getan. Denn der sparsame Umgang mit dem Öl zahlt sich für den einzelnen Ölverbraucher nicht das – der Aufwand für wärmedämmende Maßnahmen etwa ist über die damit verbundene Energieeinsparung bei den gegenwärtigen Heizölpreisen nicht hereinzuholen. Ebensowenig lohnt sich der Einbau einer Wärmepumpe in das Heizungssystem.

Wenn jedoch die Überzeugungskraft der Rentabilitätsberechnung fehlt, dann tut sich der liberale Staat schwer. Er mag seinen Bürgern nicht befehlen, daß sie dieses oder jenes zu tun oder zu lassen haben. Unser Staat verläßt sich auf den Preis als Steuerungsinstrument, allenfalls hilft er mit Subventionen oder steuerlichen Belastungen nach. So ist die Steuer auf leichtes Heizöl Verdoppelt worden allerdings Um den lächerlichen Betrag von zehn Mark je Tonne oder weniger als einen Pfennig je Liter.

Zur Begründung ist von Verbrauchsdrosselung die Rede gewesen, doch das haben wohl selbst jene nicht geglaubt, die es lauthals verkündet haben. Aber der Bundesregierung sind bei der Höhe der Steuer die Hände gebunden – jede Zusätzliche Belastung in den Verbraucherländern Ist für die Ölstaaten ein willkommener Vorwand, die Preise Weiter heraufzusetzen.