Krieg war sein Leben, ein ihm aufgezwungenes Leben: Seit Mullah Mustafa Barzani ein Gewehr halten konnte, benutzte er es auch – erst gegen die Perser, dann, immer wieder, gegen die Iraker.

Denn Barzani, der als 76jähriger Greis letzte Woche in einem Washingtoner Krankenhaus an Lungenkrebs gestorben ist, war der streitbare Führer eines streitbaren Volkes, der Kurden. Einem Volk ohne Heimat, zerrissen zwischen fünf Staaten (Türkei, Sowjetunion, Syrien, Irak und Iran), blieb nur die Wahl zwischen Unterdrückung und Widerstand. Und dieser ungleiche Kampf, den Barzani bis zuletzt vor allem gegen die Iraker führte (von 1960 bis 1975), ist noch immer nicht zu Ende: Auch nach der Flucht des Generals, den der zum Ausgleich mit den Herrschern Bagdads bereite Schah verraten hatte, geht das Ringen um einen Staat der Kurden weiter – im irakischen Untergrund und im Zuge der iranischen Revolution.

Was Freiheit ist, hat Barzani nie erfahren, nicht im sowjetischen Exil, das elf Jahre dauerte, nicht während des Krieges in den Bergen Kurdistans. Ein Jahr vor seiner Niederlage hatte er von sich gesagt: „Ich fühle mich wie ein Sklave.“ Es war wie ein letztes Bekenntnis, es war sein Leben gewesen. D. St.