Hubert Fichte zahlt zu den eigenwilligsten und schwierigsten Schriftstellern der deutschen Gegenwartsliteratur. Von seinem 1968 erschienenen Roman „Die Palette“ an löst sein Werk Dispute aus, Ablehnung wie Bewunderung. Le Monde verglich seinen Roman „Versuch über die Pubertät“ mit Proust, die Universitäten Yale, Harvard und Princeton luden ihn zu Vorträgen über seine Arbeit zu den afroamerikanischen Kulturen ein, Und Helmut Heißenbüttel revidierte öffentlich sein früheres negatives Urteil und sprach anläßlich Fichtes letzter Studie „Xango“ vom Entwurf einer „poetischen Anthropologie Unter dieser geistigen Überschrift ist auch der hier abgedruckte Text zu verstehen (der von Leonore Maus Photos auf den Seiten 34 – 40 des ZEIT magazins begleitet wird, wie ihr furioser Photoband „Xango“ Fichtes Untersuchung optisch interpretierte; dieser Bildband diente den beiden Autoren als eine Art Paß, der ihre

Arbeit legitimieren konnte). Leonore Mau und Hubert Fichte ist es als ersten gelungen, an geheimen Zeremonien von Exilkubanern teilzunehmen und sie mit Tonband und Kamera festzuhalten. Entstanden ist eine Mischform aus Essay, Poesie und politischem Traktat, eine literarische Arbeit nach mühevollen Studien, die ihrerseits dem Leser zu Recht Mühe und Arbeit abverlangt,

Nicht zufällig verwendet Fichte das Stil-Prinzip der Reihung (und oft des Interviews): beides Formen, die sich einer literarischen Glättung widersetzen, und objektive Befunde zulassen. Die Monotonie dieser Form ist Monotonie, der Sache. Ein literarischer Autor hat eine ganz eigene, komplizierte Form gefunden, magische Riten und Kultformen mit der Sprache zu bannen; damit Fremdes erfahrbar zu machen. Was Fichte hier vorführt, ist eine doppelte Unerbittlichkeit: der Verhältnisse und des Verhaltens. F. J. R.

I.

Die afroamerikanische Kultur gleicht einer barocken Fuge: Themen, Riten umschlingen sich, verschlingen – synkopisch – sich, verkehren sich, werden umgekehrt, beschleunigt, verlangsamt, scheinen sich zusammenhanglos zu überlagern, zu widersprechen – Teile ganz fremd zueinander.

Man verliert sie aus den Augen, vergißt sie, bekommt sie nicht in den Blick.

Und doch ein Großes, Ganzes, das man nur versteht, wenn man mit Pein jedes Teil erfahren hat und den Überblick über Gesellschaften, Kontinente, Epochen zurückgewinnt.