Von W. Martin Lüdke

Das Ende war zwar offengeblieben, aber nicht unbestimmt, es lag in der Konsequenz der Geschichte vom „Schleiftrog““ (ZEIT 27. 9. 1977), einem ebenso reflektiert wie geschickt komponierten „Bildungsroman“, mit dem Hermann Kinder auch etwas von der Geschichte einer Generation beschrieben hatte. Seiner Generation, die für kurze Zeit einmal hoffen konnte, aus ihrer Kindheit, wie Adolf Muschg es nannte, „direkt ins Reich der Freiheit überzutreten“, dann aber doch, wohl nicht nur vorläufig, gescheitert ist und jetzt, kaum über dreißig, resigniert hat.

„Der Schleiftrog“, Kinders erste größere literarische Arbeit, läßt sich in eine Reihe mit Peter Schneiders „Lenz“ und Bernward Vespers „Reise“ stellen. Nun sind aber auch die Hoffnungen geschwunden. Viele, die einmal die neue Gesellschaft errichten wollten, renovieren jetzt alte Bauernhäuser. Es herrscht auch – Ratlosigkeit. Die neue Fabel von –

Hermann Kinder: „Du mußt nur die Laufrichtung ändern – Eine Geschichte“; Diogenes Verlag Zürich, 1978; 81 S., 4,80 DM

ist aus einer Erzählung hervorgegangen (im „Tintenfaß“ des Diogenes Verlages 1977 erschienen). Sie knüpft in mancher Hinsicht an den „Schleiftrog“ an, vor allem an dessen Ausgang, fällt aber weit dahinter zurück, als bloßer Ausdruck der herrschenden Ratlosigkeit.

„Wenn ich auch manchmal am liebsten die Klassenarbeitshefte, die sich auf meinem Schreibtisch stapeln, einfach zum Fenster herausschmisse, so bin ich doch zufrieden, aufs Ganze gesehen.“

„Wenn nur dieses lästige Ekzem hinter dem Ohr nicht wäre und der Fußpilz.“