Hörenswert

Thomas Augustin Arne: „Acht Ouvertüren“. Er war Kapellmeister in Covent Garden und komponierte außer 30 Opern auch das „Rule Britannia“, war Doktor der Universität Oxford und Ehemann einer der gefeierten Primadonnen der damaligen Oper. Seine acht Ouvertüren beziehen sich nicht auf Bühnenstücke, sondern sind (meist dreisätzige) kleine Sinfonien des italienischen Typs. Die „Academy of Ancient Music“, eines der inzwischen immer zahlreicher werdenden Ensembles, die nach alten Ausgaben auf Originalinstrumenten oder Rekonstruktionen spielen und sich auf ein intensives Studium der Sekundärliteratur stützen, geht die Stücke mit viel Schwung an, effektvoll im historischen Sinne, im Geiste jener Zeit, die etwa das gewaltige Crescendo, die „Mannheimer Rakete“ entdeckt hatte und mit Vergnügen ausnutzte. Musik, die einmal durchaus der Unterhaltung diente und hier nicht ernster gemacht wird, als sie damals sein mußte. (Academy of Ancient Music, Leitung: Christophe Hogwood; Decca 6.42429) Heinz Josef Herbort

Joan Armatrading: „Bad: To The Night“. Die Wege zum Popstar-Ruhm sind bisweilen verschlungen, und über die späte „Entdeckung“ der Joan Armatrading durch die Massenmedien in der Bundesrepublik darf man auch lächeln. Denn ihr zweites, 1974 nach all dem Ärger mit ihrer früheren Plattenfirma Cube Records aufgenommenes Album „Back To The Night“ ist nicht im mindesten schlechter als die drei LPs, die folgten: dieselbe subtile. Phrasierung, dieselbe brillante Gitarrentechnik, die an Erfahrung und Emotion satten Texte und eine Stimme, die mit jeder Nuance des Ausdrucks vertraut ist und Gefühle nie forciert vermittelt Wer sie erst kürzlich „entdeckte“ und seitdem bewundert, sollte unbedingt auch diese Platte hören. Die Qualität der Songs entspricht einem der darauf zu findenden Titel: „So Good“! (A & M Records AMLH 68 305) Franz Schüler

Joanne Brackeen: „Mythical Magic“. Man unterläßt es am besten, irgendeinem mystischen Zauber nachzuforschen, und hört dieser Jazzpianistin einfach zu: ihrem energischen Anschlag, ihrem spontan wirkenden, zupackenden, manchmal sehr harten, jedenfalls klar artikulierten Spiel. Die Amerikanerin, die bei den Berliner Jazztagen vor anderthalb Jahren bei uns sogleich Aufmerksamkeit auf sich versammelt hatte, improvisiert so sicher, daß die intellektuelle Basis ihrer Musik darüber rasch in Vergessenheit gerät Was sie spielt, ist beileibe nicht immer „schön“, aber es weckt durch die Nervosität der Erfindung stetig Neugier. (Metronome 68 211)

Manfred Sack