Wer geglaubt hat, daß die Vergangenheit nach dreißig Jahren nun endlich bewältigt sei, muß durch die Reaktion auf Holocaust „enttäuscht“ worden sein. Ich denke dabei besonders an diejenigen, die noch immer ihre Zweifel äußerten, ob unter Hitler überhaupt Juden mit seinem Wissen und Befehl umgebracht wurden. Als Jugendlicher mit wenig Geschichtswissen wird man dann leicht verunsichert, ob denn die Zahl von sechs Millionen getöteten Juden stimmt. Dabei sollte man sich klarmachen, daß das Verbrechen – nämlich das einer versuchten Volksvernichtung – auch bei „nur“ zwei Millionen Juden nicht geringer würde. Ältere Leute können einem über viele Einzelschicksale berichten; die die abstrakte Vorstellung von sechs Millionen etwas erhellen. Eine weitere Möglichkeit zur Information besteht darin, sich mit europäischen Nachbarn, besonders in Grenzgebieten, über unsere Vergangenheit zu unterhalten. Dabei fördert man nebenbei auch die europäische Zusammenarbeit.

Sabine Fischer, 17 Jahre

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Meiner Meinung nach gibt es nur eine einzige Möglichkeit, sich wirklich intensiv mit den Greueltaten des Dritten Reiches auseinanderzusetzen: eine Gruppenfahrt mit „Aktion Sühnezeichen“ nach Polen. In der Vor- und Nachbereitungsphase werden Fakten und Hintergründe zu Aufbau und Organisation des NS-Staates, insbesondere der Konzentrationslager, vermittelt, und es wird ein persönliches Verhältnis unter den Teilnehmern geschaffen. So können die während des Arbeitsaufenthaltes unvermeidbaren Gefühlsausbrüche, hervorgerufen durch die Konfrontation mit dem unfaßbaren Grauen, aufgefangen und bewältigt werden. Fast alle Mitreisenden kehren als „neue Menschen“ nach Deutschland zurück: zutiefst getroffen durch die Schuld der Väter, aber deshalb sensibilisiert gegenüber aufkommenden faschistischen Tendenzen. Für extremen Radikalismus, gleich welcher Couleur, wird nach diesen Eindrücken wohl niemand mehr empfänglich sein. Jeder, der es nur irgendwie ermöglichen kann, sollte deshalb für eine solche Gruppenreise mit einem etwa anderthalbwöchigen Arbeitseinsatz an der Stätte eines Konzentrationslagers wie Auschwitz und anschließendem fünf- bis sechstägigen Urlaub im Gastland einmal zwei Wochen seiner Ferien opfern. Ulrike Theilen, 20 Jahre

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Der Sinn des Fernsehfilms „Holocaust“ war hoffentlich nicht nur rein kommerzieller Art. Aufklärung und Information der Deutschen über ihre gewiß nicht rühmliche Geschichte kann und darf jedoch nicht einphasig geschehen. Es nützt die beste Absicht eines Films nichts, wenn der Betrachter am Bildschirm die Botschaft zwar registriert, aber nicht verarbeitet oder sie sogar nicht einmal annimmt.

„Holocaust“ hat dann seinen Zweck verfehlt, wenn im nachhinein die Schrecken der Endlösung wieder verdrängt werden und die Generation unserer Eltern nicht zu einer befreienden Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte gelangt. Deshalb muß verhindert werden, daß „Holocaust“ nur als Unterhaltungsfilm im Gedächtnis haften bleibt. Auch künftig müssen Themen dieser Art immer wieder aufgegriffen werden, um deutlich zu machen, wozu Menschen fähig sind: durch Ausstellungen, Filme, Dokumentationen und Diskussionen.