Sie nannten sich in Abgrenzung von Apologeten des Wilhelmischen Deutschland „Jungkonservative“, „Stimme der Jungen“, „Front der Jungen“ – doch sie waren jugendliche Greise und wandten sich energisch gegen alles Moderne: gegen die moderne Industriegesellschaft ebenso wie gegen liberal-demokratischen Parlamentarismus.

Es handelte sich um eine Gruppe von Autoren, die in der von ihnen gehaßten Weimarer Republik zwar nur über eine lockere Organisation verfügten, deren publizistische Reichweite aber kaum überschätzt werden kann. Nachdem die westliche Geschichtsschreibung in den 50er und 60er Jahren dieser Gruppe zahlreiche Untersuchungen gewidmet hat, interessieren sich in jüngster Zeit auch Historiker der DDR dafür. Schon der Titel des Buches von Joachim Petzold enthält die Hauptthese:

„Wegbereiter des deutschen Faschismus – Die Jungkonservativen in der Weimarer Republik“; Pahl-Rugenstein Verlag, Köln 1978; 410 S., 14,80 DM.

Einer der herausragenden Vertreter der Neokonservativen war Arthur Moeller van den Bruck, vor dem Ersten Weltkrieg Literat und nach 1918 politischer Schriftsteller, dessen bekanntestes Werk den Titel „Das Dritte Reich“ trug. Petzold hält Moeller für einen „maßgebenden Theoretiker des deutschen Faschismus“ und sieht ihn in einer Linie mit Oswald Spengler, Carl Schmitt oder Hans Zehrer und seinem „Tat“-Kreis.

Petzold geht von einer faschistischen Verschwörung der „herrschenden Klasse“ des „Monopolkapitals“ mit Neokonservativen und schließlich den Nationalsozialisten aus, die er „entlarven“ möchte. Die Bedeutsamkeit des Buches liegt nicht in solchen plakativen Formeln; sie liegt dort, wo Petzold auf Grund bisher nicht verwandten Archivmaterials Tätigkeit und Finanzbasis neokonservativer Kreise untersucht.

Insgesamt wird ihre antidemokratische Stoßrichtung zutreffend dargestellt, die zum Untergang der Weimarer Republik und damit zum Erfolg der NSDAP vor allem im Bereich des gebildeten Bürgertums beigetragen hat. Unterschätzt wird die relative Eigenständigkeit der Nationalsozialisten, die nicht mit einem verwaschenen Faschismusbegriff zu fassen ist und die Petzold ebenso falsch einschätzt, wie dies die Jungkonservativen selber taten – eine Fehleinschätzung, die nicht zuletzt auch der KPD unterlief, deren Rolle im Prozeß der Demontage der Weimarer Republik der Ostberliner Historiker selbstverständlich verschweigt.

Gottfried Niedhart