Optimistisch haben sich die Präsidenten von zwei amerikanischen Zentren für Krebsforschung geäußert. Nach ihrer Ansicht ist in absehbarer Zukunft eine Lösung des Krebsproblems zu erwarten.

Die amerikanischen Experten trafen sich am 23. Februar im kleinen Kreise mit deutschen Wissenschaftlern in Freiburg. Bei diesem Gespräch ging es um Vorarbeiten zur Verstärkung und besseren Abstimmung der Krebsforschung und -behandlung in der Bundesrepublik. Ausgehend von Anregungen des Bundestages und der Bundesregierung, die sich 1975 und 1976 mit diesen Fragen beschäftigt haben, hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft 1978 eine Kommission für Krebsforschung eingerichtet.

Dieses Gremium soll den Weg bereiten für einen Kreis von Beratern, der der Bundesregierung Empfehlungen geben soll, um das Krebsproblem künftig wirkungsvoller anzugehen. Für Ende 1979 oder Anfang 1980 ist in der Bundesrepublik ein umfassendes Symposion der Krebsspezialisten geplant. Dieses Treffen soll eine durch schriftliche Befragungen und Einzelgespräche begonnene Bestandsaufnahme vollenden.

Der Kontakt mit ausländischen Experten dient dem gleichen Zweck. Dr. Lewis Thomas war einer der Teilnehmer des Freiburger Gespräches. Er ist Präsident der größten privaten amerikanischen Krebsforschungsstätte, des Memorial Sloan Kettering Institutes mit angeschlossener Klinik in New York. Thomas äußerte sich in Freiburg zwar vorsichtig, aber betont hoffnungsvoll: „Es ist möglich, in naher Zukunft Erfolge in der Krebsforschung zu erzielen. Während der vergangenen zehn bis zwölf Jahre haben wir schon unser neues Wissen nutzen können. Die besten Beispiele dafür sind die Chemotherapie und die Strahlentherapie. Aber es ist etwas Neues hinzugekommen, wenigstens nach der Ansicht der Krebsspezialisten in der ganzen Welt, auch hier in der Bundesrepublik und in meiner Heimat. Das Neue ist ein Gefühl des Optimismus. Als Folge der Fortschritte, die während der letzten Jahre in den grundlegenden Bereichen der biologischen Forschung gemacht wurden, ist der Weg frei für eine Lösung des Krebsproblems. Das heißt allerdings nicht, daß wir schon morgen damit rechnen können.“

Fortschritte seien in jüngster Zeit nicht nur in kleinem Umfang gemacht worden: „Es wird eine Überraschung werden, wenn wir mit Hilfe der biologischen Wissenschaft weitere Kenntnisse erlangen. Ich spreche davon, daß wir uns von dieser Krankheit befreien können. Ich halte das für eine reale Möglichkeit, die irgendwo in der Zukunft liegt. Ich muß allerdings so vorsichtig sein zu sagen, daß ich nicht weiß, wann das sein wird. Es könnte innerhalb des nächsten Jahrzehnts sein, es könnte auch noch fünfzig Jahre dauern. Aber man kann es erreichen. Dieses Ziel erfordert allerdings große Investitionen.“

Thomas hat sich früher eher pessimistisch geäußert. Seine optimistisch klingenden Aussagen gründen sich auf eine neue Bewertung der Erfolgsaussichten in der Grundlagenforschung, Hier sieht er wohl eher Möglichkeiten zum Erfolg als nur in der Weiterentwicklung der medizinischen Behandlung. Die Kombination von Klinik und Forschung wird in Amerika seit jeher groß geschrieben und ist in der Bundesrepublik, trotz Bemühungen zur Verbesserung, eher unterentwickelt. Die öffentlich bekundete Zuversicht des Sloan-Kettering-Präsidenten muß wohl auch als Ergebnis der Bemühungen des Chefs einer privaten Forschungsinstitution gesehen werden, genügend Geld für die Fortsetzung der Krebsforschung einzuwerben. Gerade in den Vereinigten Staaten ist auf Grund einer gewissen Ungeduld, die aus der bisher oft bekundeten Ohnmacht der Forscher gegenüber dem Krebsproblem resultiert, die Grundlagenforschung als zu theoretisch kritisiert worden.

Daß auch andere Krebsforscher ähnlich denken wie Thomas, zeigte sich bei dem Gespräch in Freiburg. Professor Hilary Koprowski, gebürtiger Pole und Präsident des Forschungsinstituts Wistar in Philadelphia, führte die sich jetzt abzeichnenden Erfolge bei der Erforschung des Krebses nicht zuletzt auf die Entwicklung in der Immunologie und der Genetik zurück: „Die Ergebnisse kommen in jüngster Zeit sehr schnell. Sie sind erstaunlich. Sie gestatten uns zum einen, die Gene zu identifizieren, die bei der Entstehung von Krebs beteiligt sein könnten. Sie erlauben uns zum anderen, die Antigene im Zusammenhang mit Krebszellen zu identifizieren. Dabei werden die Unterschiede zu normalen Zellen erkennbar.“