Von Ruth Herrmann

Ihre Reise in das ferne und fremde Land ist eine Belohnung für die Besten einer studentischen Aufbaubrigade. Dreißig junge Akademiker aus der Sowjetunion waren zehn Tage hier in der Bundesrepublik, sahen Frankfurt, Bonn, Köln, Hannover und Hamburg.

Wer zur Teilnahme von Regierung und Partei ausgewählt wird, hat sich über erfolgreiches Studieren hinaus durch Leistung im Urlaub verdient gemacht, durch Eifer und Arbeit in den 1958 gegründeten Aufbaubrigaden. Ihre Arbeit war in den frühen Jahren praktische Notwendigkeit – alle sollten zupacken beim Bau und Aufbau von Häusern, Fabriken, Betrieben. Die praktische Arbeit in der Landwirtschaft, in der Industrie, in Schulen hat immer noch ihr Gewicht, mehr Bedeutung hat im Laufe der Jahre jedoch die Ideologie bekommen: Die Verklammerung derer aus geistigen Berufen mit den Arbeitern, die Hammer und Sichel, sprich Maschine und Traktor praktisch anpacken – Bremse für ein Elitebewußtsein der Intellektuellen.

Ein Teilnehmer der Deutschland-Reisegruppe sagt abends in Hamburg; „Denken Sie nicht, daß man uns zur Arbeit in der Brigade erst nötigen muß. Es gibt längst so etwas wie einen Numerus clausus, weil unsere jungen Leute es als Ehre und Selbstbestätigung ansehen. Es ist eine Ehre und eine Schule für junge Männer und Frauen.“

Die dreißig Studenten und Studentinnen kommen aus. Gorki, der Stadt, die bis 1932 Nischni Nowgorod hieß, der alten Gebietshauptstadt an der Wolga nordöstlich von Moskau, auf halbem Wege zwischen der sowjetischen Hauptstadt und Kasan. Gorki hat 1,3 Millionen Einwohner.

Sie sind Gäste des Hamburger CVJM – hier wie anderswo in Deutschland nicht mehr nur Christlicher Verein junger Männer, das M steht jetzt für Menschen.

Der Generalsekretär des Hamburger CVJM, Gerhard Weber, betreibt seit 1961 das, was er „Ostpolitik an der Basis“ nennt, Jugendaustausch zwischen der Bundesrepublik und der Sowjetunion. Mit seinem „Arbeitskreis Sowjetunion“ organisiert er seither Reisen hinüber und herüber.