Idi Amin: Muß der Kraftprotz von Kampala jetzt selbst in die Knie gehen?

Von Josef Joffe

Die Ungander waren immer pünktlich, Jahrelang landeten auf dem englischen Flughafen Stansted Transportmaschinen der Uganda Airlines – zweimal in der Woche und immer wieder mit der gleichen Ladung: Kaffeebohnen. Auf dem Rückflug nahmen sie Kassettenrecorder, Parfüm und Whisky mit in die ausgepowerte Heimat, die "Perle Afrikas", wie sie Winston Churchill einst genannt hat. Es waren lebenswichtige Luxusgüter, denn mit diesen kleinen Geschenken erhielt sich Dr. Idi ("Big Daddy") Amin die Freundschaft der Obristen und Söldner, die seine Schreckensherrschaft acht Jahre lang abgesichert haben,

Britanniens kalte Rache

Anfang dieser Woche wurde die Kaffee-Luftbrücke auf Geheiß der britischen Regierung abgerissen – die kalte Rache für die unzähligen Erniedrigungen, die der ehemalige Oberfeldwebel der "King’s African Rifles" dem britischen Königreich zugefügt hat. Die Rechnung der Engländer: Wenn Amin seine treuesten Schergen nicht mehr bei Laune halten kann, fallen die letzten Bastionen seines umzingelten Regimes: Im Süden befinden sich tansanische Armeeeinheiten und ugandische Guerillatruppen auf dem Vormarsch; im Osten und Westen meutern die eigenen Truppen; im Inneren des Landes ist es den Rebellen gelungen, strategische Ziele wie das Elektrizitätswerk der Hauptstadt Kampala in die Luft zu sprengen.

Premierminister Callaghan konnte mit der Einstellung der Luftbrücke außerdem noch eine alte persönliche Rechnung begleichen. 1975 mußte der damalige Außenminister persönlich nach Kampala pilgern, um einen britischen Staatsbürger, der Ich Amin in einem Buch als "Dorftyrann" tituliert hatte, vor dem Tode zu retten. Für diese Begegnung hatte sich Idi Amin eine besondere Protokoll-Feinheit ausgedacht; Er plazierte sich in eine Hütte mit niedrigem Einlaß, die der Abgesandte Albions nur auf Knien rutschend betreten kennte, Amin, Anfang fünfzig (genau weiß es niemand), bis 1962 ein Diener der Krone, hatte seine Drohung wahrgemacht: "Die Briten werden noch zu meinen Füßen

Nun scheint es, als müsse der frühere Schwergewichtsmeister und selbsternannte "Bezwinger des britischen Empire" selbst in die Knie gehen-Im vorigen Herbst hatte Amin zum probaten Mittel aller Diktatoren gegriffen, um innere Unruhen nach außen zu verlagern. Er brach einen Grenzkrieg mit seinem südlichen Nachbarn Tansania vom Zaun. Die erste Runde ging an den Feldmarschall. Es gelang ihm, etwa 1800 Quadratkilometer tansanischen Territoriums zu erobern. Doch schon zwei Wochen später mußte er sich dem Druck der aufgeschreckten afrikanischen Potentaten beugen und seine Beute wieder fahren lassen. Es war das erstemal, daß die Afrikaner gemeinsam Front gegen den Schreckensherrscher machten, Amin hat nämlich die einzige Sünde begangen, die in Afrika unverzeihlich ist: Er verstieß gegen den geheiligten Grundsatz der Unversetzbarkeit aller nachkolonialen Grenzen.