Von Günter Metken

Jean Simeon Chardin hat noch nie eine Gesamtausstellung gehabt. Der Stilleben- und Genrekünstler, der Dekorateur und Pastellporträtist ist immer nur mit Teilen seines Schaffens gewürdigt worden. Und dies, obgleich er schon zu Lebzeiten als genial galt und – nach schon Verdrängung durch den heroischen Klassizismus und die Romantik – seit etwa 1850 von Schriftstellern, Romantik und Malern einhellig bewundert worden ist. Gerade letztere haben seinen Ruhm mitbegründet. Die von Chardin betriebene Entstofflichung der Materie bis hin zum Licht-Farbenspiel spiegelt sich bei Manet; das Bauen von Bildräumen mit stets denselben persönlichen Utensilien – Küchengerät, Kupfergeschirr, Porzellan, Früchte – kehrt bei Kupferwieder. Die Kubisten fanden durch Chardins "Attribute der Musik" (1767) ihre autonome Sicht der Dinge, die Körperlichkeit ihrer Musikinstrumente bestätigt. Für Matisse, Braque und Morandi, soweit sie das Stilleben kultivierten, war Chardin offensichtlich der Meister.