DIE ZEIT

Quitt in Indochina

Nach einem berühmten Wort Mao Tse-tungs kann der Krieg nur durch den Krieg abgeschafft werden. Ob seine Nachfolger durch ihre als „Strafaktion“ und „Gegenangriff“ verbrämte Aggression gegen das machthungrige Vietnam ein Zeitalter blühenden Friedens für Indochina eingeleitet haben, steht noch dahin.

Sprung ins Wasser

Wir sind in diesen Tagen Zeugen eines einmaligen Vorgangs in der jüngsten Geschichte: Der Führer einer Weltmacht, Präsident Jimmy Carter, setzt sein ganzes Prestige ein, um seine Vermittlerrolle im Nahost-Konflikt zu krönen und dem israelisch-arabischen Friedensvertrag zum Abschluß zu verhelfen.

Freundliche Töne

Wochenlang kamen aus Iran nur Hiobsbotschaften: Einstellung des Ölexports, Stillegung großer Baustellen, Sperrung der Grenzen für Importgüter, verzögerte und schließlich gar keine Zahlungen mehr.

Walter Scheel steckt auf

Die Entscheidung im Streit um das Amt des Bundespräsidenten ist gefallen. Karl Carstens ist am Montag von der Union nominiert worden, Walter Scheel hat die Bitte der Koalitionsfraktionen, ein zweites Mal zu kandidieren, am Dienstag abgelehnt.

Weltuntergang als Notlösung?

Strategische Debatten sind bei uns stets in Gefahr gewesen, sich in Emotionen zu verlieren, in Klischees steckenzubleiben oder in Trugschlüsse zu münden.

Zeitspiegel

Der belgische EG-Kommissar Etienne Davignon hat Aussicht, eines Tages Nachfolger des Nato-Generalsekretärs Luns zu werden. Mehrere Regierungen der Allianz würden seine Kandidatur unterstützen.

Worte der Woche

„Der Präsident ist der Überzeugung, es dürfe nicht zugelassen werden, daß die Aussichten auf Frieden, die noch im September vorigen Jahres so glänzend erschienen, immer mehr dahin- und vielleicht ganz entschwinden.

Die Qual der Wahl

Keine Präsidentenwahl, bei der nicht politisches Kalkül kräftig im Spiele gewesen wäre, und kaum eine, vor der es nicht heftige Auseinandersetzungen gegeben hätte.

Hoffnung hier, Argwohn dort - ein Präsident für alle?

Karl Carstens ist dem Amt des Bundespräsidenten sehr nahe gekommen – in doppeltem Sinne: Die Unionsfraktion in der Bundesversammlung hat ihn in einer Probeabstimmung fast einstimmig als ihren Kandidaten gekürt; also wird er auch gewählt werden.

Wolfgang Ebert: Strafe muß sein

Die Chinesen sind anscheinend geneigt, die Strafe, die sie über das ehemalige sozialistische Brudervolk in Vietnam verhängt haben – eine Art „Denk-Zettel“ – zur Bewährung auszusetzen.

Wetterleuchten um den Friedenshelden

In dieser Stunde waren Lob und Zuspruch nahezu einhellig. Kritiker wie Verteidiger der Amtsführung Carters priesen den Präsidenten für seinen Entschluß, zur Rettung des israelischägyptischen Friedens selber nach Ägypten und Israel zu fliegen.

Indochinakrieg: Wenn China den Sieg verspielt

Als Saigon im Jahre 1975 den Kommunisten in die Hände fiel, bemerkte Henry Kissinger zu einem chinesischen Funktionär: „Wir sind in Vietnam besiegt worden, Sie werden jetzt die Konsequenzen zu tragen haben.

Wahlen in Spanien: Kein Grund zum Jubeln

Gewonnen haben sie (fast) alle, verloren hat nur Spanien: Die Wahlen zum Unterhaus und Senat am vergangenen Donnerstag brachten nicht die nötige und erhoffte Mehrheit für eine der beiden politischen Richtungen, die seit Beginn der kontrollierten Liberalisierung den Ton angeben.

Der tote Rebell

Denn Barzani, der als 76jähriger Greis letzte Woche in einem Washingtoner Krankenhaus an Lungenkrebs gestorben ist, war der streitbare Führer eines streitbaren Volkes, der Kurden.

Großbritannien: Callaghan sitzt in der Falle

Das letzte Ergebnis flimmerte um 17.45 Uhr über die britischen Fernsehschirme: Im schottischen Hochland hatten 33 Prozent der Wahlberechtigten mit Ja, 31 Prozent mit Nein gestimmt, 36 Prozent waren der Wahlurne ferngeblieben.

Gerüchte auf dem Balkan: Ernste Lage?

Es ist ungewöhnlich, die Absage eines politischen Besuches mit dem „Ernst der Lage“ zu begründen. Der Belgrader Verteidigungsminister Ljubicic ließ sich so in den Niederlanden entschuldigen.

Jugoslawien: „Es wird schlimm ohne Tito“

Um Jugoslawiens großen Alten, um Marschall Tito, weht die kalte Luft der Einsamkeit. Der Kreis derer, die ein halbes Leben lang seine Gefährten waren, ist klein geworden.

Jemen: Noch wird gekämpft

Trotz einer zwischen den streitenden Parteien vereinbarten Waffenruhe halten die Kämpfe zwischen der westlich orientierten Republik Jemen (Nordjemen) und der marxistischen Volksrepublik Jemen (Südjemen) an.

BONNER BÜHNE: Politik vollmundig genossen

Nun rollt das „Err“ aufs neue, zum Beispiel, wenn Willy Brandt von den „Bürrgerrinnen und Bürrgerrn“ spricht. Bonn hat einen vertrauten Klang wieder im Ohr.

Iran: Die Unruhen halten weiter an

Unter den Schüssen „revolutionärer Hinrichtungskommandos“ sind zu Wochenanfang elf weitere Vertreter des Schah-Regimes ums Leben gekommen.

Neuwahlen?

Zu Wochenbeginn hatte der italienische Staatspräsident Sandro Pertini noch einmal die Vertreter der Parteien gehört, um einen Ausweg aus der seit 34 Tagen andauernden Regierungskrise zu finden.

Eine sehr gewagte Prognose

Die große Mehrheit aller Parteien, die im Bundestag dem Mitbestimmungsgesetz zustimmten und ihm damit eine breite politische Legitimation verlieh, ist durch die Verfassungsrichter bestätigt worden.

Spannungen wurden vermieden

Von Dieter Piel ZEIT: Herr Farthmann, vor dem Karlsruher Richterspruch zur Mitbestimmung haben Sie die Gefahr innenpolitischer Konflikte für den Fall beschworen, daß das Bundesverfassungsgericht am geltenden Mitbestimmungsrecht rütteln würde.

Lehrstück über die Verfassung

Kein Zweifel, das Mitbestimmungs-Urteil ist eine Sache für Auguren. Man darf raten. Präsident Ernst Benda und seine Kollegen haben alle Erwartungen enttäuscht, sie würden Verbindliches nicht nur über die Gegenwart, sondern auch über die Zukunft der Mitbestimmung sagen.

Die Stellung der Bundesrepublik: Zweifel an den Deutschen?

Bismarck hätte nie in den Begriffen von Ost und West gedacht, von denen heute stets die Rede ist. Für ihn gab es vier europäische Großmächte, mit denen er rechnen mußte, aber die Himmelsrichtungen spielten keine Rolle“, meinte ein Historiker und machte mit dieser Bemerkung deutlich, wie artifiziell die ideologisierte Welt ist, in der wir seit dem Zweiten Weltkrieg leben.

Zahnärzte: Werbespots auf Krankenschein

Werbespots im Fernsehen, Handzettel mit politischen Kampfansagen in Wartezimmern, Parteipropaganda für Patienten ... in den letzten Jahren kümmerte sich die Kassenzahnärztliche Vereinigung Nordrhein (KZV) nicht nur um kranke Zähne, sondern auch um das politische Wohlbefinden der Patienten.

Saarland: Die Welt ist weggegeben

Es war die 300. Ministerratssitzung dieser Legislaturperiode, und daß es laut Tagesordnung die „300. ordentliche Sitzung“ war, merkte man dann auch an jenem denkwürdigen Dialog, in dem der eine Lehrer dem anderen Lehrer eine schlechte Note erteilte.

Dreikönigsreliquien: Hat die Legende doch recht?

Was selbst unerschütterliche „Königstreue“ in Köln kaum zu hoffen wagten, ist so gut wie gewiß: Die im Dom gehüteten Reliquien der Heiligen Drei Könige sind vermutlich sehr viel älter und damit „echter“, als bis jetzt angenommen wurde.

„Überflüssig wie ein Kropf“

Wenn Bauer Franz Kraft mit dem Trecker über seinen Hof rollt, hört er manchmal Düsengeheul aus dem alten Motor dringen. Er riecht Kerosingestank und fühlt hinter seinem Rücken den Luftzug startender Flugzeuge.

Vor-Faschismus: Ehe Hitler kam

Sie nannten sich in Abgrenzung von Apologeten des Wilhelmischen Deutschland „Jungkonservative“, „Stimme der Jungen“, „Front der Jungen“ – doch sie waren jugendliche Greise und wandten sich energisch gegen alles Moderne: gegen die moderne Industriegesellschaft ebenso wie gegen liberal-demokratischen Parlamentarismus.

Neo-Nazismus: Der noch fruchtbare Schoß

Die deutsche Unsicherheit bei der Einschätzung rechtsextremistischer Gruppierungen zeigte sich in den Wochen nach dem „Holocaust“-Schock deutlicher als sonst: Angesichts umfangreicher Waffenfunde bei neonazistischen „Wehrsport-Gruppen“ war Nordrhein-Westfalens Polizei „überrascht“; die Gewerkschaft der Polizei (GdP) wies darauf hin, daß die Gefahr von rechts „unterschätzt“ werde.

„Preußenfreundlich“

In meiner am 2. 3. 1979 in der ZEIT abgedruckten Rezension „Kein Wunder / Warum Friedrich siegte“ über die Bücher von Johannes Kunisch und Hans Bleckwenn steht ein sinnentstellender Satzfehler.

Demokratischer Sozialismus: Ohne Osteuropäer

Ein Vergleich bietet sich an zwischen drei Sammelbänden über die geistigen und politischen Probleme der Sozialdemokratie – zwischen Richard Löwenthal „Sozialismus und aktive Demokratie.

Rassismus: Ein rechtes Gruselkabinett

Im Jahr 1871 gelang es der neugegründeten Deutschen Anthropologischen Gesellschaft, die verfügbaren Statistiken aller Schädelformen in Deutschland zu speichern; ein Jahr später fügte sie Angaben über Haar- und Augenfarbe hinzu.

Heinzelmann oder Killer?

L|angsam, sehr langsam sogar, weil die tech-nischen Hintergründe so schwer zu verstehen und die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen noch gar nicht abzusehen sind, kommt in der Bundesrepublik die Diskussion über die Folgen des Vormarschs der Mikroelektronik in Gang.

Gong zur zweiten Runde

Nach dem Mitbestimmungsurteil: Der Kleinkrieg der Tarifparteien um Satzungen und konzertierte Aktion geht weiter

BONNER KULISSE

Forschungsminister Volker Hauff, der wiederholt die Bedeutung des Dialogs mit dem Bürger gerade in Sachen Kernenergie herausstellt, machte keine gute Figur, als der niedersächsische Landtagsabgeordnete Kurt-Dieter Grill, CDU, ihn zu einem Gespräch über das geplante Entsorgungszentrum in Gorleben einlud.

Europäische Gemeinschaft: Trugschluß

Als die französische Regierung Ende Dezember in letzter Minute den count-down für das Europäische Währungssystem wegen des sogenannten Währungsausgleichs im EG-Agrarhandel unterbrach, hatte sie wohl nicht geglaubt, daß sie die Geister, die sie da rief, einmal nicht mehr loswerden würde.

Das Spiel mit dem Ölhahn

Von Heinz-Günter Kommer Der neuen Energiekrise, die der Weitgehende Ausfall der iranischen Öllieferungen ausgelöst hat, stehen die Industrienationen ähnlich hilflos gegenüber wie dem Ölschock von 1973.

Energie-Agentur: Ausflüchte

Die Rechnung sieht einfach aus. In den zwanzig wichtigsten Industrieländern (mit Ausnahme Frankreichs) wird 1979 die Nachfrage nach Öl das Angebot um rund fünf Prozent übersteigen.

West-Berlin: Zuversicht

Nur ein Drittel der Unternehmer sieht die Lage ihrer Unternehmen als schwierig an, davon jeder zweite noch als „schwierig, aber tragbar“, also manageabel.

Großbritannien: Von Helmut Schmidt enttäuscht

Für Großbritannien, sagt Landwirtschaftsminister John Silkin, "ist dies das Jahr des großen Wandels". Silkin, einer der prinzipiellen Gegner der Mitgliedschaft Englands in der Europäischen Gemeinschaft im Kabinett Gallaghan, ist ängstlich darauf bedacht, daß sich niemand über die Ernsthaftigkeit seiner Absichten Illusion macht.

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