Die inneren Unruhen in Iran nehmen kein Ende. Die Hinrichtungen hoher Militärs und Polizeioffiziere sind ebenso alltäglich geworden wie die Schießereien zwischen den Revolutionskomitees.

Unter den Schüssen „revolutionärer Hinrichtungskommandos“ sind zu Wochenanfang elf weitere Vertreter des Schah-Regimes ums Leben gekommen. Damit hat sich die Zahl der unter der neuen Regierung von Ministerpräsident Bazargan offiziell Hingerichteten auf 26 erhöht. Alle Anzeichen sprechen indes dafür, daß noch weitere Todesurteile im Schnellverfahren gefällt werden. Gegen Hunderte Militärs, Geheimdienstbeamte, und Polizeiangehörige wird gegenwärtig noch ermittelt.

Bei Schießereien zwischen „revolutionären“ Gruppen unterschiedlicher ideologischer Richtung kamen in den vergangenen Tagen allein in der persischen Hauptstadt 15 Menschen um. In einigen Berichten hieß es, die Schießereien seien zwischen rivalisierenden Gruppen ausgebrochen, die ihr „abgestecktes Territorium“ gefährdet sahen. Nach anderen Meldungen sollen „konterrevolutionäre Kräfte“ Chomeini-Milizen angegriffen haben. Unterdessen warnte Ajatollah Taleghani, ein Vertreter des Schiitenführers Chomeini, vor bewaffneten Mitgliedern des aufgelösten Geheimdienstes Savak, die sich „unters Volk gemischt haben, um Unruhe zu stiften“. Nach seinen Angaben sollen etwa 8000 bewaffnete Savak-Agenten in Teheran untergetaucht sein.

Nach einer Erklärung des Sprechers der „iranischen Revolutionsregierung“, Abbas Amir Entezam, soll dem sich gegenwärtig in Marokko aufhaltenden Schah in Abwesenheit der Prozeß gemacht werden. Der Monarch hatte das Land am 16. Januar verlassen und soll sich nun wegen „seiner Verbrechen am iranischen Volk“ verantworten. Bereits am Wochenende hatte Außenminister Karim Sanjabi alle Regierungen davor gewarnt, dem Schah Asyl zu gewähren. Eine Asyl-Garantie „für dieses Individuum“ werde „negative Auswirkungen“ auf die zukünftigen Beziehungen mit einem solchen Land haben.

Dennoch scheint der gestürzte Schah weiterhin zumindest über seine in der Schweiz gehorteten Vermögenswerte ungestört verfügen zu können, nachdem die Berner Regierung die iranische Forderung nach Sperrung der Schah-Gelder abgelehnt hat. Nach Auffassung der Eidgenossen könne „man sich nicht einfach auf den Krisenherd in Iran berufen, um Ausnahmerecht zu schaffen“.

Nach Ermittlungen der Schweizer Nationalbank werden iranische Gelder im Wert von rund 2,2 Milliarden Mark in der Schweiz verwaltet. Wieviel davon auf den Schah persönlich entfällt, könne nicht angegeben werden. Hinzu komme aber noch das im Wert gleichfalls nicht zu beziffernde Wertpapiervermögen des Schah und seine Direktinvestitionen sowie der erhebliche Grundbesitz der Kaiserfamilie.

Nach zehnwöchiger Unterbrechung hat Iran den Ölexport inzwischen wieder aufgenommen. Der Leiter der staatlichen Nationalen hanischen Ölgesellschaft (NIOC), Hassan Nazeh, gab bekannt, daß die derzeitige Fördermenge von 1,7 Millionen Barrel Öl auf zwei bis drei Millionen Barrel (ein Barrel hat 159 Liter) erhöht werde. Die Ladung des ersten Tankers seit dem 26. Dezember auf der Öl-Insel Khargh wurde mit einer Gedenkfeier zum 12. Todestag des ehemaligen Ministerpräsidenten Mossadegh verknüpft, der 1953 die iranische Ölindustrie verstaatlicht hatte. Mossadegh war 1953 nach kurzer Regierungszeit vom Schah und mit Hilfe des amerikanischen Geheimdienstes CIA gestürzt worden.